Die geopolitische Lage sorgt für Unsicherheit in der Energieversorgung, insbesondere durch den Iran-Krieg und die Blockade im Persischen Golf. Diese Entwicklung hat tiefe Auswirkungen auf die Ölhändler, deren Geschäftsstrategien oft im Verborgenen bleiben. Beim FT Commodities Global Summit in Lausanne geben diese selten Einblicke. Trafigura, ein Rohstoffhändler mit Sitz in Genf und Chef Richard Holtum, ist direkt von den Konsequenzen des Krieges betroffen. Der Konzern besitzt eine umfangreiche Tankerflotte, neun Schiffe davon sind blockiert; nur eines hat die Strasse von Hormus passieren können. Marco Dunand, Chef der genferischen Firma Mercuria, gibt an, alle seine Tanker aus der Blockade befreit zu haben. Er verweist auf ungenannte Wege und mögliche Kosten: “Es gibt Wege”, sagt er nur vage. Russell Hardy von Vitol, dem weltgrößten Ölhändler mit Sitz in Genf, bestätigt intensive Geschäfte in den Golfstaaten. Die Infrastruktur dort hat stark gelitten, was höhere Preise oder Rationierungen zur Folge hat – vor allem für asiatische Länder, während westliche Regionen später betroffen sein könnten. Holtum von Trafigura erläutert, dass der aktuelle Ölpreis über den Referenzpreisen wie Brent oder WTI liegt. Diese spiegeln eher den Handel mit “Papieröl” wider und nicht das physisch auf Schiffen transportierte Rohöl. Für die Sicherheit einer sofortigen Lieferung müsse man bezahlen. Die Volatilität der Preise ermöglicht Ölhändlern erhebliche Gewinne durch Wetten, was Richard Holtum bestätigt, ohne Details zu nennen: Er sei zufrieden. Gary Pedersen von Gunvor, dem genferischen Ölhändler mit neuem US-amerikanischem Chef, betont die enge Verbindung zur US-Regierung. Diese sucht nach Lösungen zum Rohstoffschutz und kann auf Gunvors Unterstützung zählen. Die Konzernchefs sind sich einig: Die USA arbeiten aktiv daran, ihre Position gegenüber China zu stärken. Russell Hardy von Vitol betont die Notwendigkeit einer konsistenten Energiepolitik in Europa – nicht ohne anzudeuten, dass dafür kein Land erobert werden müsse.