An einem Abend im Zürcher Architekturforum diskutierten fünf Experten über die Gründe, warum Baudirektor Martin Neukom drei Gemälde des Künstlers Hans Witschi nicht annahm. Die Präsentation umfasste zwei Ölgemälde und digitale Fotos von Google-Suchen, während der Porträtierte abwesend blieb. Stephan Witschi, Galerist und Bruder des Malers, betonte zu Beginn, dass es nicht darum gehe, Neukom zu kritisieren. Dennoch lehnte er Einladungen an die Gesprächsrunde von Vertretern der Fachstelle Kultur ab.
Hans Witschi schilderte ausführlich den Entstehungsprozess und seine Konzepte für die Porträts: einen jungen Staatsmann in einer Eiswüste, ein Gandhi-artiges Gesicht und schließlich Neukom als verkappter Superman. Letzteres Bild zeigte das rechte Ohr des Politikers in leuchtenden Rot- und Gelbtönen, eine Referenz an Supermans Emblem – eine Analogie, die Witschi Neukom jedoch nicht erklärte.
Warum sich Neukom auf den Bildern als entstellt fühlte, bleibt spekulativ. Kunsthistoriker Ulrich Gerster vermutete einen “Zeitkollaps” in Witschis Werk und sah eine gewisse Bravheit im dritten Porträt, das Neukom angeblich nicht ansprach. Etienne Lullin hob hervor, dass ein gemaltes Bild die Zeitlichkeit einer Person darstelle – Neukoms Porträts wurden ohne Modellsitzungen gefertigt.
Witschi hatte nur kurze Treffen mit Neukom und nutzte Fotos als Vorlagen. Trotz Hinweisen auf passende Fotos blieb eine Annäherung aus. Journalisten Peter Hossli und Giorgio Scherrer diskutierten über die zunehmende Kontrolle von Öffentlichkeitsbildern durch Politiker, was sich mit der Herausforderung bei Kunstwerken kontrastierte.
Witschi sprach von schlaflosen Nächten nach der Ablehnung seiner Werke, aber er äußerte keine Veränderungsabsicht für zukünftige Porträts und kündigte eine “Porträtpause” an. Am Ende des Abends betonte Witschi rückblickend, dass Modellsitzungen nötig gewesen wären – ein Element, das in der Beziehung zu Neukom fehlte.