Erbschaftsangelegenheiten bergen oft ein hohes Konfliktpotenzial, besonders wenn es um bedeutende finanzielle Werte oder Immobilien geht. Laut einem Sprichwort kann Erben und Vererben ganze Familien zerstreiten: “Erst kommt das Sterben, dann das Erben, und das kann eine Familie verderben.” Emotionen spielen bei solchen Themen meistens eine große Rolle. In der Schweiz werden jährlich etwa 100 Milliarden Franken durch Erbschaften und Schenkungen übertragen. Eine Studie der ZHAW School of Management im Auftrag der Zürcher Kantonalbank (ZKB) ergab, dass jeder zweite Franken an Vermögen geerbt wird. Die Vermeidung von Streit ist für die Betroffenen von größter Bedeutung: 91 Prozent der Erbenden hoffen auf Konfliktfreiheit; bei den Erblassern sind es 80 Prozent. Um Streitigkeiten zu verhindern, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine frühzeitige und klare Planung kann viele potenzielle Konflikte entschärfen. Stefan Reinhard von der ZKB betont die Bedeutung einer selbständigen Nachlassplanung und empfiehlt, gegebenenfalls professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dies ist besonders wichtig bei hohen Vermögen oder dem Vererben von Immobilien. Seit Anfang 2023 gilt ein neues Erbrecht, das den Spielraum für die Nachlassplanung erweitert hat und gesetzliche Pflichtteile reduzierte. Daniel Grunder, Fachanwalt SAV Erbrecht und Notar in Baar, rät dazu, zunächst zu prüfen, was ohne Testament gesetzlich gälte. Die persönlichen Umstände wie Familienstand und Nachkommenstruktur sind dabei entscheidend. Für die individuelle Gestaltung der Nachlassregelung stehen das Testament, der Erbvertrag oder der Ehevertrag zur Verfügung. Reinhard betont die Wichtigkeit eines Testaments insbesondere bei größeren Vermögenswerten wie Immobilien oder Unternehmen. Jedoch haben nur etwa ein Drittel der Erblasser ein Testament erstellt. Notariell beurkundete Testamente sind besonders sicher, da sie weniger anfällig für Formfehler sind. In Fällen von körperlicher Krankheit sollte die Urteilsfähigkeit bei der Testamentserstellung geprüft werden. Ehe- oder Erbverträge können helfen, die Nachlassregelung im gegenseitigen Einvernehmen zu regeln. Viele Erbschaften und Schenkungen in der Schweiz werden bereits zu Lebzeiten getätigt. Eine schriftliche Auflistung dieser Zuwendungen kann Konflikte vermeiden. Bei Immobilien ist es wichtig, den Wert zum Zeitpunkt der Erbteilung als Maßstab für Ausgleichszahlungen heranzuziehen. Emotionale Spannungen können entstehen, wenn eine Partei keine Transparenz über lebzeitige Zuwendungen bewahrt. Grunder warnt davor, alles bis ins Detail zu regeln; idealerweise sollten die Erben ein gewisses Maß an Großzügigkeit aufbringen. Die Abstimmung der Nachlassplanung mit Entscheidungen in der privaten Vorsorge ist ebenfalls wichtig. Erbschaftssteuern sind vor allem für Konkubinatspaare und Patchworkfamilien von Bedeutung, da diese als separate Privatpersonen gelten. Die Gefahr der Erbschleicherei besteht insbesondere bei isolierten Personen mit Demenz. Ein Vorsorgeauftrag kann hier Abhilfe schaffen. Zudem ist die Regelung des digitalen Nachlasses essentiell, inklusive Zugangsinformationen zu Bankkonten und Social-Media-Profilen. Investitionen in Kryptowährungen erfordern eine klare Kommunikation der Zugangsdaten an Erben. Ein Willensvollstrecker kann als neutrale Instanz bei komplexen Nachlassangelegenheiten helfen, wobei dies zusätzliche Kosten verursacht.