Der Verein Netzcourage, eine Beratungsstelle für Opfer von Cybermobbing und digitaler Gewalt in der Schweiz, stellt nach zehn Jahren sein Engagement ein. Gegründet unter anderem von Jolanda Spiess, ehemalige Zuger Kantonsrätin, hat sich Netzcourage als erste spezialisierte Einrichtung im Land hervorgetan und ‘mehrere hundert Betroffene’ unterstützt, zusätzlich zu Workshops und Öffentlichkeitsarbeit.
Das Ende des Vereins begründet Spiess mit der raschen technologischen Entwicklung, die Netzcourage überforderte. Angesichts von KI-gesteuerter Hetze und Deepfake-Pornografie sieht sich der private Verein nicht mehr in der Lage, effektiv zu agieren. Attacken gegen den Verein und seine Unterstützer verstärkten diese Herausforderungen.
Interne Spannungen prägten das Jahr 2021; die Co-Präsidentinnen Tamara Funiciello (SP) und Greta Gysin (Grüne) traten zurück, nachdem sie sich über die Ausrichtung des Vereins mit Spiess nicht einig waren. Im selben Jahr entzog das Bundesgleichstellungsbüro dem Verein Fördergelder aufgrund mangelnder Kommunikation und der Rolle Spiess’ in der Öffentlichkeit.
Betroffene können weiterhin die Opferhilfe kontaktieren, während Pro Juventute sich um Fälle von Cybermobbing kümmert. In der Schweiz fehlt jedoch eine spezialisierte nationale Beratungsstelle für digitale Gewalt.
Der Bundesrat hat einen Gesetzesentwurf vorgelegt, um Nutzer besser im digitalen Raum zu schützen; er soll Plattformen mehr Verantwortung übertragen. Kritiker wie Pro Juventute bemängeln den fehlenden Jugendschutz im Vergleich zur EU.
Unicef und andere Hilfswerke fordern spezialisierte Anlaufstellen, um die Herausforderungen digitaler Gewalt zu bewältigen. Meret Schneider (Grüne) hat 2025 eine Motion für eine solche Einrichtung eingereicht. Die Diskussion um Plattformregulierung und neue Straftatbestände wird weitergeführt, auch nach dem Ende von Netzcourage.
Die Thematik bleibt aktuell: Wie kann der Schutz im digitalen Raum verbessert werden? Diese Frage steht im Fokus der laufenden Debatten. Diskussionen um die Zukunft solcher Anlaufstellen und deren Finanzierung sind in vollem Gange.