Das Tonhalle-Orchester Zürich präsentiert sein Konzertprogramm für die Spielzeit 2026/27, das von einem besonderen Schwerpunkt auf Ludwig van Beethoven geprägt ist und gleichzeitig Schweizer Komponisten in den Fokus rückt. Intendantin Ilona Schmiel betonte bei der Vorstellung des Programms, dass klassische Musik ein „Suchtpotenzial“ habe. Mit einem umfangreichen Programm will die Tonhalle den Klassikgenuss fördern, ohne sich ausschließlich auf traditionelle Werke zu beschränken.
Um eine Balance zu schaffen, arbeitet das Orchester mit dem Schweizer Komponisten Dieter Ammann zusammen. Dieser übernimmt nach langer Planung den Creative Chair des Tonhalle-Orchesters und wird seine Zürcher Residenz nutzen, um bestehende Werke wie “Boost” und “Glut” neu zu interpretieren. Schmiel hob hervor, dass Ammanns Fähigkeit, komplexe Klangwelten für die Instrumente zu erschaffen, ihn besonders auszeichne.
Paavo Järvi, seit 2019 Musikdirektor des Orchesters, wird in dieser Saison 30 der 141 Konzerte leiten. Unter den weiteren Dirigenten finden sich bekannte Namen wie Mirga Gražinytė-Tyla und Natalie Stutzmann. Wayne Marshall und Khatia Buniatishvili sind ebenfalls als Fokus-Künstler vertreten, wobei Buniatishvili bei der Saisoneröffnung mit Tschaikowskys 1. Klavierkonzert glänzen wird.
Der Mahler-Zyklus, den Järvi bereits 2024 begonnen hatte, bleibt ein zentrales Element des Programms. Unter anderem werden die 6. und die „tragische“ Sinfonie aufgeführt. Außerdem plant das Orchester Reisen nach Baden-Baden, Amsterdam und Wien. Im Beethoven-Jahr wird unter dem Label “BTHVN27” eine Reihe von Werken präsentiert, darunter eine seltene Fassung der 9. Sinfonie mit Mahlers Instrumentationsänderungen.
Ein weiterer Schwerpunkt gilt Prokofjew, dessen Musik Järvi in einem Zyklus zusammen mit Generalmusikdirektor Gianandrea Noseda präsentieren wird. Opernliteratur kommt ebenfalls nicht zu kurz: Mit Rossinis “La scala di seta” soll das Publikum, inklusive Schulklassen, eine halbszenische Aufführung erleben.
Die Musikvermittlung steht in dieser Saison im Zentrum des Engagements der Tonhalle. Das Programm umfasst fast 500 Veranstaltungen, darunter innovative Formate wie “Connect” für Menschen mit Bewegungsstörungen und die Reihe “classic meets art”. Marc Zahn, neuer Präsident des Verwaltungsrats seit Januar 2026, betonte das Ziel, neue Hörerschichten zu gewinnen, was sich unter anderem im stark wachsenden Angebot für junge Erwachsene zeigt.