Infolge der Auflösung von USAID hat die Trump-Regierung mit Entwicklungsländern, darunter über zwei Drittel aus Afrika von insgesamt 30 Unterzeichnerstaaten, neue Gesundheitsabkommen geschlossen. Diese Verträge sehen weitreichende Zugeständnisse vor: Gelder werden nur unter der Bedingung bereitgestellt, dass die Empfängerländer umfangreichen Zugang zu ihren Gesundheitsdaten und biologischen Proben gewähren – in manchen Fällen sogar zu Rohstoffressourcen. Sambia, Simbabwe und Ghana haben die Verhandlungen vorübergehend ausgesetzt; in Kenia hat ein Gericht das Abkommen bereits kurz nach Unterzeichnung für nichtig erklärt. Fabian Urech, Afrika-Korrespondent von Radio SRF, bietet seine Einschätzungen dazu an. Seit Frühjahr 2024 berichtet Fabian Urech als Korrespondent in Accra, der Hauptstadt Ghanas, über afrikanische Angelegenheiten. Davor war er sieben Jahre lang bei der NZZ als Afrika-Experte tätig. Im Rahmen der sogenannten «America First Global Health Strategy» starten die USA ihr Engagement im globalen Gesundheitssektor neu. Diese Strategie unterscheidet sich deutlich von früheren Ansätzen, insbesondere durch erhebliche Kürzungen der Beiträge um nahezu die Hälfte. Sambia und Simbabwe haben die Verhandlungen beendet, während ein Gericht in Kenia das Abkommen für ungültig erklärt hat. Auch Ghana hat die Gespräche gestoppt. Die Datenschutzbedenken liegen im Zentrum der Kritik: Amerikanische Behörden könnten nach den neuen Regelungen umfangreichen Zugriff auf sensible Daten und biologische Proben erhalten. Ein ghanaischer Regierungsvertreter äußerte sich nach dem Abbruch der Verhandlungen mit den Worten, dass das Abkommen eine weitreichende Übertragung der nationalen Gesundheitsdatenstruktur bedeutet hätte. Laut geleakten Informationen war der Deal mit Sambia an einen bevorzugten Zugang zu deren Kupfer- und Kobaltvorkommen geknüpft. Die Botschaft nach Lusaka lautete unmissverständlich: Unterstützung für HIV-Kranke oder Krankenhäuser würde nur gewährt, wenn im Gegenzug ein privilegierter Zugang zu den Rohstoffen eingeräumt wird. Sambia entschied sich gegen das Abkommen und verzichtet damit auf potentielle Hilfsgelder von bis zu zwei Milliarden Dollar über fünf Jahre – eine bemerkenswerte Entscheidung für ein hoch verschuldetes Land. Offiziell soll der Vertrag die Früherkennung von Infektionswellen und Pandemien zum Schutz der US-Bevölkerung ermöglichen. Doch es kursieren weitere kritische Vermutungen, dass biologische Proben zur Entwicklung amerikanischer Impfstoffe genutzt werden könnten oder Gesundheitsdaten beim Training von US-KI-Modellen Verwendung finden – alles ohne Zustimmung der Betroffenen. Amerikanische Interessen stehen klar im Vordergrund. Mit traditioneller Entwicklungszusammenarbeit hat das nur wenig zu tun: Es handelt sich eher um ein Diktat aus Washington als um echte Kooperation, wobei die Entwicklung afrikanischer Länder höchstens am Rande berücksichtigt wird. Auch in vielen europäischen Ländern hat sich die Entwicklungszusammenarbeit verändert. Erstens werden hier drastische Einsparungen vorgenommen: Die Hilfeleistungen der G7-Staaten sind allein im letzten Jahr gegenüber 2024 um über ein Viertel gesunken. Zweitens orientiert sich die Entwicklungshilfe zunehmend an den nationalen Interessen der Geber, etwa in Bezug auf Migration, geopolitische Rivalitäten mit China oder Zugang zu Rohstoffen wie Öl, Kupfer und Kobalt. Trumps Gesundheitsabkommen stellen ein Extrembeispiel dar, spiegeln aber eine allgemeine Tendenz wider – einen Bruch mit der bisherigen Entwicklungshilfe. Kurzfristig sind es die Menschen vor Ort, die den Preis zahlen müssen: Sie benötigen schnelle Hilfe ohne Gegenleistung.