Das Andesvirus, das zuletzt vor sieben Jahren für einen Ausbruch in Argentinien sorgte, zeigt: Kreuzfahrtschiffe bieten optimale Bedingungen für Krankheitserreger. Der niederländische Reiseveranstalter Oceanwide Expeditions bewarb auf seiner Website eine 23 Nächte dauernde Kreuzfahrt durch den Südatlantik ab Ushuaia, die südargentinische Hafenstadt, zu Inseln wie Südgeorgien und Tristan da Cunha sowie St. Helena. Wer mehr erleben wollte, konnte bis hin zu den Kapverdischen Inseln verlängern.
Das Schiff “MS Hondius” wurde zur unerwarteten Gefahrenquelle für die 147 Passagiere. Nach fünf Tagen Fahrt erkrankte ein 70-jähriger Niederländer an Kopfschmerzen, Fieber und Durchfall, gefolgt von Atemnot. Sein Zustand verschlechterte sich schnell; am 11. April starb er auf hoher See. Am 24. April wurde sein Leichnam nach St. Helena gebracht.
Zu diesem Zeitpunkt zeigte auch seine 69-jährige Ehefrau Symptome und wurde nach Südafrika geflogen, wo sie kurz vor einem Rückflug in Amsterdam verstarb. Ein britischer Passagier klagte am selben Tag über Atemnot und Fieber und wurde ebenfalls nach Südafrika ausgeflogen. Eine deutsche Passagierin erkrankte vier Tage später und starb als drittes Opfer der mysteriösen Krankheit.
Erst am 2. Mai informierte die Reederei die WHO über ein mögliches Infektionsgeschehen an Bord. Die ersten vier Fälle, sowie weitere Erkrankungen, wurden auf das Andesvirus zurückgeführt, welches durch den verstorbenen Niederländer eingeführt wurde.
Es stellte sich heraus, dass das Ehepaar bereits seit November in Südamerika unterwegs war und Regionen besuchte, in denen das Virus vorkommt. Nach der Ankunft auf St. Helena verließen etliche Passagiere das Schiff. Ein Schweizer Infizierter befindet sich nun im Unispital Zürich. Die WHO ermittelt die Kontakte aller Abgereisten.
Hantaviren sind weltweit in Mäusen verbreitet und werden normalerweise durch Kontakt mit deren Ausscheidungen übertragen, wobei die Andesvariante auch zwischen Menschen übertragbar ist. Sie kommt nur im Süden Chiles und Argentiniens vor, wo sie von der Langschwanz-Reisratte verbreitet wird.
Ein größerer Ausbruch in den Jahren 2018 und 2019 führte zu 34 Infektionen und 11 Todesfällen. Eine Studie im “New England Journal of Medicine” zeigte, dass ein Indexpatient auf einer Geburtstagsfeier mehrere Menschen ansteckte.
Kreuzfahrten bergen das Risiko von Ausbrüchen, da sie lange Zeit Tausende von Menschen zusammenführen. So kam es in der Vergangenheit zu zahlreichen schweren Infektionsausbrüchen auf Schiffen. Vor allem Noroviren und Legionellen verursachten Probleme, wie etwa die Quarantäne der “Diamond Princess” im Februar 2020.
Trotz geringem Gesundheitsrisiko in moderner Zeit, sind Kreuzfahrten für Krankheitserreger ideale Umgebungen.