Die aktuelle Ausgabe der Biennale in Venedig ist von skandalösen Ereignissen geprägt, aber auch voller künstlerischer Hoffnung. Der Schweizer Pavillon steht dabei im Kontrast zum allgemeinen Tenor: Er setzt sich mit den gesellschaftlichen Herausforderungen für Homosexuelle in der Vergangenheit auseinander – ein Thema, das heute als überholt gilt.
Ein friedlicher und hoffnungsvoller Gegenpol wird durch die Installation im Klostergarten geboten. Das Soundwalk Collective arbeitet hier mit den Kuratoren Hans Ulrich Obrist und Ben Vickers zusammen. Während Besucher durch den Garten spazieren, hören sie über Kopfhörer Kompositionen von Meredith Monk, Patti Smith, Jim Jarmusch und anderen. Kunstschaffende wie Precious Okoyomon verleihen dem mittelalterlichen Umfeld mit Werken im Stil der Mystikerin Hildegard von Bingen eine visuelle Note voller Schönheit.
Diese Idylle steht in starkem Kontrast zu den politischen Skandalen, die das Ereignis vorbereiteten. Der Biennale-Direktor wurde vom russischen Pavillon zurückgetreten und musste sich Kritik seitens der Jury stellen. Trotzdem konnte Jekaterina Winokurowa, die Tochter des russischen Außenministers Sergei Lawrow, während der Previewtage ihre Musikergruppen präsentieren und an einer Bar Wodka ausschenken lassen.
Im österreichischen Pavillon setzt Florentina Holzinger mit ihrer Performance Kunst in Szene: Ihre nackten Performerinnen turnen auf einem Mast, sitzen unter Wasser und werden von brauner Flüssigkeit besprüht. Eine Kläranlage im Zentrum des Pavi- lons wird vom Urin der Besucher gespeist, was die Reinigung als Thema hervorhebt.
Ein weiteres Highlight ist eine Performance auf der Lagune: Nackte Frauen spielen Musik auf einem Ponton, klettern einen Kran hoch und schreien ihre Emotionen in die Seele. Zum Finale wird eine Glocke aus dem Wasser gezogen, in der sich eine Performerin bewegt – ein Gegensatz zur friedlichen Atmosphäre im Klostergarten.
Die 61. Kunstbiennale bietet mit über hundert nationalen Pavillons und mehr als hundert Künstlern ein breites Spektrum zwischen Zuversicht und Verzweiflung. Die verstorbene Kuratorin Koyo Kouoh gab ihr das Motto «in minor keys», um Besinnung und Offenheit für andere Weltzugänge zu fördern.
Der Schweizer Pavillon wirkt in diesem Kontext merkwürdig, da er sich auf die Lage der Homosexuellen in den 1970er Jahren konzentriert. Koyos Konzept hingegen öffnet Tür und Tor für Schamanismus und Rituale. Voodoo wird in einer Installation von Édouard Duval-Carrié als antikapitalistische Kraft gefeiert.
Diese Biennale will die Kluft zwischen Alltag, Handwerk und Kunst überbrücken. So zeigt der Inder Sohrab Hura den Kontrast des häuslichen Lebens, während Uriel Orlow mit fotografierten Blättern auf verschwindende Pflanzen hinweist. Alfredo Jaar präsentiert in einem rot ausgeleuchteten Raum Metalle aus Handys, die für Kriege eingesetzt werden – ein minimalistisches Kunstwerk, das den Preis der Technologie offenbart.
Trotz aller Herausforderungen bietet auch diese Biennale eine erweiterte Perspektive und lädt zu einer faszinierenden Reise durch die vielen Pavillons ein.