Die Vielfalt der Opfer von Frauenhandel ist laut Fanie Wirth, der Fachstelle für Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ), beträchtlich. Opfer reichen vom Kindesalter bis ins hohe Alter über 60 Jahre und kommen aus mehr als 80 verschiedenen Ländern. Osteuropäische Länder wie Rumänien, Ungarn oder Bulgarien stellen dabei einen hohen Anteil der Betroffenen. Ein gemeinsames Merkmal dieser Frauen ist ihre strukturelle Benachteiligung durch mangelnden Bildungszugang, fehlende Arbeitsmöglichkeiten in ihren Herkunftsländern sowie finanzielle Abhängigkeiten oder die Verantwortung für den Lebensunterhalt ihrer Familien.
Am 11. Mai veröffentlichte die FIZ ihren Jahresbericht, welcher darlegt, dass im vergangenen Jahr 228 Opfer von Menschenhandel in ihrem Schutzprogramm betreut wurden. Davon erhielten 65 Frauen Unterbringung in spezialisierten Schutzunterkünften der Organisation. Weitere 444 Migrantinnen, unter ihnen 140 Betroffene häuslicher Gewalt, wurden ebenfalls unterstützt. Laut FIZ bleiben die Zahlen hoch und verdeutlichen den Bedarf an mehr Schutzmaßnahmen, Unterstützungsangeboten sowie Sensibilisierungsbemühungen.
Die steigenden Fallzahlen, so Wirth, könnten zwar auf eine gestiegene Sensibilisität hindeuten, da Betroffene eher erkannt werden. Sie bedeuten jedoch auch, dass die Dunkelziffer noch höher liegt und das Problem des Menschenhandels in der Schweiz weiterhin akut bleibt.
Ein großer Teil dieser Migrantinnen wird zur Sexarbeit gezwungen, viele andere arbeiten in privaten Haushalten, wo sie oft von der Gesellschaft isoliert sind. Ihre einzigen sozialen Kontakte haben sie mit den Täterinnen und Tätern. Die Unkenntnis über ihr Rechtssystem und mögliche Unterstützungsangebote erschwert es ihnen, Hilfe zu suchen.
In ihrer Medienmitteilung bietet die Fachstelle Einblicke in ihre Arbeit und schildert ein Fallbeispiel, das die Mechanismen des Frauenhandels veranschaulicht. Betroffene werden der FIZ meist von Institutionen wie Polizei oder Rechtsvertretern aus dem Asylsystem zugewiesen, was auf eine hohe Dunkelziffer unbekannter Fälle schließen lässt.
Um die Situation zu verbessern, schlägt Wirth vor, die Abhängigkeit der Frauen von den Täterinnen und Tätern durch mehr legale Möglichkeiten in der Sexarbeit oder stärkere Kontrollen bei privaten Haushaltsarbeiten zu verringern. Zudem sei eine verstärkte Sensibilisierung der Bevölkerung notwendig, um zukünftig mehr Fälle von Frauenhandel aufzudecken.