Vor einem Jahr hätte Eva Aeppli ihren 100. Geburtstag begehen können, doch ihre Würdigung fiel oft hinter die ihres zweiten Ehemannes Jean Tinguely zurück, dessen Jubiläum breit gefeiert wurde. Dennoch erhielt ihr Werk Beachtung: Das Kunstmuseum Solothurn und das Lehmbruck Museum in Duisburg zeigten ihre Arbeiten. Eva Aeppli schuf Werke voller Emotionalität und Herausforderungen, sei es als Malerei, Zeichnung oder Skulptur. Ihre Kunst war intensiv emotional und fesselte sowohl Männer als auch Frauen mit ihrem Charisma. Trotzdem blieb sie wählerisch gegenüber ihren Verehrern. Ihr Elternhaus in Basel, das humanistische Werte vertrat, formte ihre kritische Haltung zur Naziherrschaft, was sich in düsteren Kohlezeichnungen widerspiegelte. Sie gab selbst den am Rande des Todes stehenden Figuren ein Lächeln und Blumen. An der Kunstgewerbeschule Basel traf sie Jean Tinguely. Mit 27 Jahren zogen sie nach Paris, wo sie unter bescheidenen Verhältnissen mit Künstlern wie Brâncuși und Niki de Saint Phalle zusammenarbeiteten. Trotz ihres Schaffensdrangs in Paris fand Aepplis textile Kunst wenig Beachtung. Nach der Scheidung von Tinguely heiratete sie einen Anwalt, während Tinguely Niki de Saint Phalle ehelichte. Als die Malerei als tot erklärt wurde, begann Aeppli mit großen Ölbildern. Aeppli lehnte den Kunstmarkt ab und verfolgte eigene künstlerische Ziele. Mit Stoffen wie Samt und Seide entstanden ihre bekannten Köpfe mit expressiven Gesichtszügen. Die „Groupe de 48“ gilt als ihr ikonisches Werk. In dieser Zeit schuf sie Serien zu Sternzeichen, Planeten und den Todsünden, oft aus Stoff oder Bronze gefertigt. Trotz der Vielfalt ihrer Techniken blieb sie ihren „Livres de vie“, großen künstlerischen Lebensbüchern, über Jahrzehnte treu. Eva Aeppli verstarb kurz nach ihrem 90. Geburtstag in Honfleur, Frankreich. Ihr Leben und Werk wird im Dokumentarfilm „Eva Aeppli – Vive la vie, vive la mort!“ am 10. Mai 2026 um 12:00 Uhr auf SRF 1 gezeigt.