Im frühen Sonntagmorgen erreichte das von einem Hantavirus-Ausbruch betroffene Kreuzfahrtschiff «Hondius» den Hafen Granadilla auf Teneriffa. Während der ersten Phase der Evakuierung wurden 94 Passagiere und Crewmitglieder in acht Sondermaschinen aus insgesamt 19 Ländern evakuiert, wie die spanische Gesundheitsministerin Mónica García am späten Sonntagabend berichtete. Zusätzlich sind für Montagnachmittag eine Flugzeugverbindung aus den Niederlanden und ein weiteres aus Australien geplant, um 18 beziehungsweise sechs weitere Betroffene zu transportieren.
Unter den evakuierten US-Passagieren wurde einer positiv auf das Hantavirus getestet, zeigt jedoch keine Krankheitssymptome. Die WHO meldete zuvor bereits sechs bestätigte Fälle und zwei Verdachtsfälle; drei Menschen verstarben – ein niederländisches Ehepaar sowie eine deutsche Frau. Der Infektionsursprung wird mutmaßlich auf das niederländische Paar zurückgeführt, welches sich vor der Reise in Argentinien angesteckt haben könnte. Ministerin García bestätigte, dass alle übrigen Passagiere und Besatzungsmitglieder symptomfrei sind.
Der Direktor des Robert Koch-Instituts betonte, dass das Virus trotz seiner Gefährlichkeit keine Pandemiegefahr darstelle. Im Vergleich zum Coronavirus sei die Hantavirus-Bedrohung nicht vergleichbar, da das Virus gut bekannt und nicht übertragend sei, erklärte Lars Schaade im ZDF.
Nach der Ankunft wurden Ärzte an Bord entsandt, um zu prüfen, ob akute Krankheitssymptome vorliegen. Diese Untersuchung führte zur schrittweisen Evakuierung. Der kanarische Regierungschef Fernando Clavijo äußerte Bedenken über die Ankunft des Schiffes und versprach Entspannung erst nach der Abreise aller Passagiere.
Tedros Adhanom Ghebreyesus, WHO-Direktor, beruhigte die Bevölkerung Teneriffas, indem er betonte, dass das Virus nicht mit Covid vergleichbar sei und es keinen Kontakt zu den Infizierten geben werde. Ein Schweizer Crewmitglied wurde in Quarantäne genommen, wie das Bundesamt für Gesundheit meldete, welches eine sechswöchige Isolationszeit erwartet.
Aufgrund eines Verdachtsfalls auf der Insel Tristan da Cunha im Südatlantik wurden britische Fallschirmjäger mit medizinischem Material per Abwurf entsandt. Dieses entlegene Territorium zählt 221 Einwohner und ist normalerweise nur über den Seeweg erreichbar.
Nach Abschluss der Ausschiffung soll die «Hondius» in den Niederlanden desinfiziert werden, inklusive der Überführung einer Todesleiche. Das Hantavirus kann auch zwischen Menschen übertragen werden, wie beim Andes-Typ beobachtet wurde.