Das von einem Hantavirus-Ausbruch betroffene Kreuzfahrtschiff «Hondius» erreichte am frühen Sonntagmorgen den Hafen Granadilla auf Teneriffa. Nach der Evakuierungsaktion an diesem ersten Tag verließen 94 Passagiere und Crewmitglieder das Schiff in acht Sondermaschinen, wie die spanische Gesundheitsministerin Mónica García berichtete. In den kommenden Stunden sollen zusätzliche Flüge aus den Niederlanden sowie Australien weitere 24 Personen evakuieren. Somit wird erwartet, dass die Evakuierung des Schiffs bald abgeschlossen ist.
Bisher wurden sechs bestätigte Hantavirus-Fälle und zwei Verdachtsfälle gemeldet, darunter ein französischer Passagier unter den fünf aus Frankreich evakuierten Personen. Ein US-Passagier wurde ebenfalls positiv getestet, zeigt jedoch keine Symptome. Die WHO verzeichnet drei Todesfälle: ein älteres niederländisches Ehepaar und eine deutsche Frau. Nach Angaben von Ministerin García sind die meisten Passagiere und Besatzungsmitglieder symptomfrei.
Lars Schaade, Leiter des Robert Koch-Instituts, sieht keine Gefahr für die Bevölkerung durch den Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff. Er betonte im ZDF, dass das Virus zwar schwerwiegend sein kann, aber nicht ansteckend ist und keine Pandemiegefahren birgt. Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC hält ein Risiko für die Allgemeinbevölkerung in der EU ebenfalls für sehr gering.
Nach der Ankunft untersuchten Ärzte das Schiff, bevor sie mit der Evakuierung begannen. Der Kanaren-Regierungschef Fernando Clavijo äußerte Bedenken und will erst beruhigt sein, wenn alle Passagiere evakuiert sind und die «Hondius» ihre Reise in Richtung Niederlande fortsetzt.
Tedros Adhanom Ghebreyesus von der WHO versicherte den Einwohnern Teneriffas, dass das Virus nicht mit Corona vergleichbar sei. Er betonte, dass sie und deren Familien keinen Kontakt zu den Betroffenen haben werden.
Ein Schweizer Crewmitglied wurde in Quarantäne genommen, ohne Symptome zu zeigen, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) mitteilte. Die Quarantäne soll sechs Wochen dauern.
Infolge eines Hantavirus-Verdachtsfalls auf Tristan da Cunha, einem abgelegenen britischen Überseegebiet, landeten Fallschirmjäger und Militärmediziner per Fallschirmsprung zur Unterstützung auf der Insel. Es handelt sich um einen Passagier der «Hondius», der nach Angaben des Ministeriums auf Tristan da Cunha lebt.
Nach Abschluss der Evakuierung wird die «Hondius» mit einer verbleibenden Besatzung in die Niederlande weiterfahren, wo eine Desinfektion durchgeführt werden soll. Der Andes-Typ des Hantavirus, wie bei diesem Ausbruch vorliegend, ermöglicht eine seltene Übertragung von Mensch zu Mensch.