Spitzenreiter bei der Zugauslastung ist die Verbindung zwischen Genf und Lausanne mit bis zu 98 Prozent Belegung. Besonders voll wird es auf dieser Strecke um 18:05 Uhr abends, wie eine Untersuchung des Westschweizer Senders «RTS» zeigt. Dabei beträgt die durchschnittliche Auslastung in der zweiten Klasse 98 Prozent und in der ersten Klasse immerhin noch 91 Prozent.
Generell wird das Zugnetzwerk zu den typischen Pendlerzeiten stark beansprucht: Morgens zwischen 6:30 und 8:30 Uhr sowie abends von 17 bis 19 Uhr. In diesen Zeiträumen ist der Andrang am größten, während außerhalb dieser Zeiten die Situation oft entspannter wird.
Auch auf der Strecke Bern–Zürich zeigt sich ein ähnliches Bild: Um 7 Uhr morgens beträgt die Auslastung in der zweiten Klasse 54 Prozent, eine Stunde später bereits 60 Prozent. Abends um 17 Uhr sind die Züge zu 68 Prozent besetzt, wobei auch die erste Klasse während der Hauptverkehrszeiten stärker genutzt wird.
Auffällig ist zudem, dass Überfüllungen häufig auf bestimmte Abschnitte begrenzt bleiben. Trotzdem bleibt das Pendeln für viele Fahrgäste unangenehm.
Ein weiteres bemerkenswertes Phänomen: Die zweite Klasse ist praktisch überall deutlich stärker ausgelastet als die erste, obwohl mehr Sitzplätze vorhanden sind. Nur auf 21 Strecken war die erste Klasse durchschnittlich voller.
Dies führt zu Kritik und einer Petition der Jugendorganisation des Verkehrs- und Umweltverbands «ATE», welche die Abschaffung der ersten Klasse fordert und bereits über 12.500 Unterschriften gesammelt hat.
Die SBB betont auf Anfrage von «RTS», dass die erste Klasse weiterhin angeboten werden muss, da sie den Kundenbedürfnissen entspricht. Finanziell ist diese attraktiv: Obwohl nur rund sechs Prozent der Tickets Erstklassentickets waren, generierten diese laut SwissPass Alliance 14 Prozent der Einnahmen.
Während einige Regionen in Frankreich die erste Klasse in Regionalzügen abgeschafft haben, bleibt die Schweiz bei ihrem Angebot.