Bisher war die Verbreitung des Hantavirus auf das Kreuzfahrtschiff “Hondius” beschränkt. Nun gibt es jedoch Infektionen und Verdachtsfälle in mehreren europäischen Ländern, was Ängste schürt. Passagiere wurden unter strengen Schutzmaßnahmen in ihre Heimatländer ausgeflogen. Länder wie die Schweiz, Frankreich, Großbritannien und die USA berichten über nachgewiesene Infektionen bei Rückkehrern, was Erinnerungen an die Anfangsphase der Corona-Pandemie weckt. Dennoch sprechen mehrere Gründe gegen eine neue Pandemie.
Erstens ist das Andesvirus zwar von Mensch zu Mensch übertragbar, geschieht jedoch selten. Anders als das hochansteckende Coronavirus wird es durch Speicheltropen beim Küssen oder gemeinsamen Benutzen von Gegenständen wie Betten oder Gläsern verbreitet. Für eine Übertragung müssen zwei Bedingungen erfüllt sein: Eine hohe Viruslast in der infizierten Person und längerer enger Kontakt mit anderen.
Zweitens sind Hantaviren nicht über Aerosole, sondern durch Speicheltropfen übertragbar, was die Ansteckungsgefahr im Alltag stark reduziert. Im Gegensatz zur Corona-Pandemie 2019 ist sowohl das Virus als auch die damit verbundenen Erkrankungen bekannt. Ärzte kennen den Erreger und können Infizierte schnell identifizieren.
Drittens sind alle potenziellen Virenträger von der Kreuzfahrt bekannt, was eine effektive Überwachung erleichtert. Zuverlässige Tests für das Andesvirus ermöglichen die Diagnose durch Nachweis von Antikörpern oder Virus-Spuren im Blut und Speichel.
Viertens führen Superspreader-Ereignisse, wie Partys oder Großveranstaltungen, oft zur Ausbreitung von Viren. Kreuzfahrten gelten als solche Ereignisse, doch die Isolation der Reiseteilnehmer sollte weitere Verbreitungswege unterbinden.
Schließlich benötigen Hantaviren ein spezifisches Wirtstier und können sich nicht einfach auf neue Regionen ausbreiten. Das Andesvirus ist auf Südamerika beschränkt, wo seine Wirtsart, die Langschwanz-Zwergreisratte, vorkommt. Im Gegensatz dazu benötigt Sars-CoV-2 keinen Wirtstier und kann sich in der menschlichen Population etablieren.
Obwohl eine Impfung gegen Hantaviren fehlt, sollten Kontaktpersonen gefunden und überwacht werden, um neue Ansteckungen zu verhindern. Symptome wie Fieber oder Halsschmerzen sollten ärztlich abgeklärt werden, da schwerwiegende Verläufe tödlich enden können. Trotzdem ist die akute Gefahr für die Bevölkerung gering.