Am Montag kam der einstige thailändische Regierungschef Thaksin Shinawatra in Bangkok aus seiner Haftfreiheit heraus. Ob er sich nun aus der Politik zurückzieht, bleibt ungewiss.
Der 76-jährige ehemalige Ministerpräsident wurde von einer einjährigen Haftstrafe befreit und darf den Rest bis September unter Hausarrest verbüßen. Er wurde nach seiner Entlassung vor dem Gefängnis von Anhängern, Familienangehörigen und Kameras erwartet. Thaksin beschrieb seine acht Monate in der Einrichtung als Zeit im “Winterschlaf”.
Thaksin ist eine Schlüsselfigur in der neueren Geschichte Thailands und diente von 2001 bis 2006 als Ministerpräsident. Seine politische Karriere endete jedoch 2006 mit einem Militärputsch, nachdem er das thailändische Establishment gegen sich aufgebracht hatte. Nach seiner Flucht ins Exil kehrte er erst 2023 zurück. Zwischenzeitlich war er unter anderem der Eigentümer des britischen Fußballvereins Manchester City.
Sein politischer Einfluss zeigte sich vor allem 2010, als seine Anhänger in blauen T-Shirts und die Königsanhänger in gelben T-Shirts heftige Straßenschlachten in Bangkok austrugen. Diese Gewaltexzesse führten zu einem weiteren Militärputsch im Jahr 2014.
Thaksins Rückkehr nach Thailand endete mit der Haftstrafe, die er nun teils unter Hausarrest verbüßen muss. Zwar versuchte er kurzzeitig seine Tochter als Regierungschefin einzusetzen, doch sie scheiterte nach einem Jahr im Amt. Die Pheu-Thai-Partei Thaksins wurde von der konservativen Bhumjaithai-Partei überholt und ist nun nur noch Juniorpartner in der Regierung.
Seine Inhaftierung symbolisierte das Ende des Einflusses Thaksin als Schattenmann in der Politik. Gegen ihn laufen weitere Prozesse, darunter eines wegen Majestätsbeleidigung. Seine zukünftige Rolle bleibt ungewiss, doch er ist nach Aussage von Parteichef Julapun Amornvivat weiterhin “der Geist” der Partei.
Die politische Landschaft Thailands ist geprägt von Instabilität: Das Militär putscht, wenn es nicht zu Machtkämpfen in den Parteien kommt. Seit 2019 haben sich die Ministerpräsidenten selten länger als ein Jahr im Amt gehalten. Die Wirtschaft wächst nur langsam, und der heimische Konsum stagniert. Thailand verliert an regionaler Attraktivität gegenüber Ländern wie Vietnam. Die Energiekrise trifft zudem den Tourismus hart – die Besucherzahlen haben sich seit der Pandemie nicht vollständig erholen können.
Bis September darf Thaksin keine öffentlichen Reden halten. Analysten vermuten jedoch, dass es ihm schwerfallen könnte, sich gänzlich aus der Politik zurückzuziehen. Seine Partei Pheu Thai ist trotz ihrer Niederlage bei den Wahlen Teil der Regierungskoalition, und sein Neffe Yodchanan Wongsawat ist als Hochschulminister weiterhin im Amt.