Mit dem Ziel, der Deutschen Bahn Konkurrenz zu machen und Milliarden in den deutschen Markt zu investieren, will Italo, ein Bahnbetreiber aus Italien, auf den deutschen Markt drängen. Die Umsetzung dieses Plans könnte jedoch scheitern, wenn politische Unterstützung fehlt.
Luca Cordero di Montezemolo, ehemaliger Ferrari-Chef, hat bereits viele scheinbar unmögliche Ziele erreicht. In den 1970er Jahren transformierte er die erfolglose Scuderia Ferrari in eine Weltmarke und führte später 23 Jahre lang den gesamten Konzern.
Nun plant Montezemolo als Vorstandsvorsitzender von Italo, ab April 2028 dreißig Hochgeschwindigkeitszüge durch Deutschland zu betreiben. Geplant sind dabei stündliche Verbindungen von München über Köln nach Dortmund und zweistündliche von München über Berlin nach Hamburg.
Die Fertigung der Züge soll vollständig in Deutschland erfolgen, wobei Italo bereits eine Tochtergesellschaft gegründet hat. Für die erste Flotte im Wert von 3,6 Milliarden Euro verhandelt das Unternehmen mit Siemens, was dem Werk in Krefeld zugutekommen würde.
Montezemolo steht jedoch vor der Herausforderung, dass seine Züge erst eine Trasse erhalten müssen, welche von DB Infrago, einem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn, vergeben wird. Eine Diskriminierung von neuen Bewerbern ist nach EU-Recht nicht erlaubt.
Montezemolo fordert rasche Klarheit: “Bis Ende Mai benötigen wir Gewissheit über die langfristige Zuweisung von Netzkapazitäten”, sagte er der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung”. Eine solch großangelegte Investition bedarf einer klaren Planungsgrundlage.
Während private Anbieter den Nahverkehr in vielen Regionen dominieren und Flixtrain seit 2018 eine Bahnalternative bietet, wäre Italo als Herausforderer im Hochgeschwindigkeitsfernverkehr eine neue Qualität. Die Deutsche Bahn kontrolliert hier etwa 95 Prozent des Marktes. Trotzdem kritisieren Reisende die Pünktlichkeit der Züge.
Montezemolo ist überzeugt, dass mehr Wettbewerb den Bahnbetrieb in Deutschland verbessern würde: “Der Druck auf bestehende Anbieter steigt und das Angebot wird besser und günstiger”, erklärt er. Er beruft sich dabei auf die positiven Effekte des Markteintritts von Italo in Italien 2012, der zu einer Halbierung der Fahrpreise und einer Verdopplung der Fahrgastzahlen führte.
Seit 2023 gehört die Genfer Reederei MSC zu den Hauptanteilseignern von Italo. Auf italienischen Strecken hält das Unternehmen mittlerweile ein Drittel des Marktes.
Christian Böttger, Professor und Bahnexperte, erwartet zwar positive Effekte durch mehr Konkurrenz, bezweifelt jedoch eine zeitnahe Zulassung aufgrund der Trassenvergabe-Politik. Er sieht auch praktische Herausforderungen: An Knotenpunkten ist das Netz bereits überlastet und neue Kapazitäten könnten den Regionalverkehr beeinträchtigen.
Italo betont, dass für solche Investitionen klare Regeln bei der Trassenvergabe sowie zuverlässige Rahmenverträge notwendig sind. Das Unternehmen verspricht Kooperation mit regionalen Betreibern und sieht seine Züge dort fahren, wo sie benötigt werden.
Montezemolos Plan könnte also ohne politische Unterstützung ins Leere laufen, was ihn möglicherweise erneut auf den Ferrari zurückwerfen würde.