Die drei führenden Fluggesellschaften der USA konzentrieren viele Routen auf ihre Hub-Flughäfen, was es Low-Cost-Anbietern schwer macht, sich gegen die etablierten Konkurrenten durchzusetzen. Dies wird am Beispiel von Spirit deutlich, die Anfang Mai gezwungen war, den Flugbetrieb einzustellen, nachdem ein Rettungsversuch der Trump-Regierung gescheitert war. Die Airline hatte sich mit ultratiefen Preisen und kostenpflichtigen Zusatzleistungen in 34 Jahren im Markt etabliert.
Nach zwei Insolvenzverfahren innerhalb von zwei Jahren traf Spirit die durch den Iran-Krieg verschärfte Kerosinpreiskrise hart. Im Gegensatz dazu behauptet sich Ryanair, Europas führende Budget-Airline, erfolgreich trotz der Krise. Ihr CEO Michael O’Leary hat frühzeitig günstigen Sprit für 2026 gesichert und kann so weiterhin niedrige Preise anbieten.
In Europa dominieren Ryanair, Easy Jet und Wizz Air den innereuropäischen Flugmarkt, während in den USA Billigflieger wie Spirit, Jet Blue und Frontier es nie schafften, vergleichbare Marktanteile zu erobern. Brett Snyder von “Cranky Flier” bemerkt, dass die Märkte sich unterschiedlich entwickelt haben. In Amerika gibt es zwar erfolgreiche Low-Cost-Anbieter in Nischenmärkten, aber keine großen Herausforderungen für die etablierten Airlines.
Ryanair fliegt oft periphere europäische Flughäfen wie London Stansted oder Paris Beauvais an, was günstiger ist. In den USA fehlen solche Alternativen, da viele Flughäfen von Städten betrieben werden und andere Ziele verfolgen. Europäische Sekundärflughäfen sind zudem weniger überlaufen als etwa London Heathrow.
US-Flughäfen haben strengere Vorschriften, wie den ebenerdigen Einstieg für Behinderte, was kostspielig ist und Ryanairs Vorteil der einfachen Treppeneinsteige zunichtemacht. Die Biden-Regierung verhinderte 2024 eine Fusion zwischen Spirit und Jet Blue mit dem Argument einer zu hohen Marktkonzentration, was als Fehlentscheidung angesehen wird.
Ein weiteres Problem ist der Ruf von Spirit und Frontier, die Zuverlässigkeit vernachlässigten. Ryanair gilt dagegen als pünktlich, was für viele Kunden entscheidend ist. Die großen US-Airlines reagierten mit dem „Basic Economy“-Modell, um Tiefstpreise auf kritischen Strecken anzubieten.
Snyder meint, dass der Ausfall von Spirit verkraftbar sei, da sie weniger als zwei Prozent des Marktes ausmachten. In Florida wird Jet Blue versuchen, den Marktanteil zu übernehmen, doch viele Kunden werden dem Erfinder der Handgepäckgebühren wohl nur kurz nachtrauern.