Der US-Bundesstaat Texas hat den Streamingdienst Netflix juristisch angegangen. Der Generalstaatsanwalt von Texas, Ken Paxton, wirft dem Unternehmen vor, die Privatsphäre der Nutzer zu verletzen und sie durch spezielles Design abhängig zu machen. Laut Isabel Pfaff, SRF-Wirtschaftsredaktorin seit Juni 2024, spioniere Netflix Kinder und andere Nutzer aus, indem es deren Daten ohne Zustimmung erhebe und das Angebot so gestalte, dass es süchtigmachend wirke.
Die Klage behauptet, dass Netflix jahrelang vorgegeben habe, keine Nutzungsdaten zu sammeln. Reed Hastings, Mitgründer von Netflix, hatte noch 2020 betont: «Wir sammeln gar nichts», wie es in der Klageschrift heißt. In Wirklichkeit verfolge das Unternehmen jedoch die Sehgewohnheiten und Präferenzen seiner Nutzer und verkaufe diese Daten.
Des Weiteren wird Netflix vorgeworfen, durch Funktionen wie Autoplay süchtig zu machen, da nach dem Ende eines Films oder einer Serie sofort ein neuer Inhalt startet. Netflix bestreitet die Vorwürfe in einer Stellungnahme und behauptet, dass die Klage auf falschen Informationen beruhe. Das Unternehmen betont zudem sein Engagement für den Datenschutz und seine Einhaltung der geltenden Gesetze.
Der juristische Schritt gegen Netflix folgt anderen Verfahren, etwa im März gegen Meta und Google in Kalifornien, wo deren Plattformen als süchtigmachend für Minderjährige eingestuft wurden. Auch im Bundesstaat New Mexico gab es ein ähnliches Urteil gegen Meta, das jedoch noch auf Berufung steht.
Es ist möglich, dass Generalstaatsanwalt Ken Paxton politische Motive verfolgt, da er sich für die Senator-Wahl in Texas gegen den amtierenden Republikaner John Cornyn bewirbt. Die Klage könnte ihm im Wahlkampf Aufmerksamkeit verschaffen, insbesondere da solche Verfahren oft Schutzmaßnahmen für Kinder thematisieren, ein beliebtes Thema bei Wählern.
Quelle: SRF 4 News, 12.5.2026, 07:24 Uhr; srf/lin;schm;wyss