Unterhalb des Dorfes Brienz laufen umfangreiche Arbeiten an einem Entwässerungsstollen, der das Gebiet vor einem Abgleiten schützen soll. Seit Jahren sind schwere Maschinen im Einsatz, die den Berg durchbohren und sprengen, um Wasser abzuleiten und so ein Abrutschen zu verhindern. Der Hang oberhalb des Dorfes wird ebenfalls stabiler, da der Druck vom Gebirge genommen wird, wie Projektleiter Sepp Kurath betont.
Im Sommer 2023 entging Brienz knapp einem Schuttstrom, und das Dorf musste aufgrund einer drohenden Bergsturzgefahr erneut für mehr als 60 Wochen evakuiert werden. Während dieser Zeit wurden die Arbeiten am Stollen teilweise eingestellt oder reduziert.
Jetzt ist der Bau des Stollens zu rund 80 Prozent abgeschlossen und soll bis Ende 2027 fertiggestellt sein. Das Projekt, das mehr als zwei Kilometer lang wird und wie ein Ypsilon um das Dorf herumführt, kostet circa 40 Millionen Franken.
Bereits vor acht Jahren wurde während Messungen und Probebohrungen festgestellt, dass Wasser im Berg ein Problem darstellen könnte. “Beim ersten Bohrversuch sprudelte das Wasser wie eine Fontäne heraus”, erinnert sich Kurath.
Zuerst entstand ein Sondierstollen außerhalb des Dorfes, von dem aus der eigentliche Entwässerungsstollen errichtet wurde. Die Ergebnisse zeigen, dass das Bauvorhaben wirksam ist. Das Geologenteam, vertreten durch Reto Thöny, zeigt sich sehr zufrieden und bemerkt eine deutliche Verlangsamung des Dorfrutsches.
Vor zwei Jahren bewegte sich Brienz jährlich um etwa zweieinhalb Meter talwärts. Inzwischen ist die Bewegung auf wenige Zentimeter reduziert. Der Stollen schützt auch die Kantonsstrasse und die Rhätische Bahn, da der Zugverkehr zwischen Brienz und St. Moritz wegen der Rutschgefahr aktuell mit nur 30 Stundenkilometern verläuft.
Gemeindepräsident Daniel Albertin ist von den Erfolgen überrascht, betont jedoch, dass das Dorf weiterhin in einer roten Gefahrenzone liegt und weitere Untersuchungen notwendig sind. Auch nach Fertigstellung des Stollens bleibt die Arbeit nicht abgeschlossen; eventuell müssen Drainagen erneuert werden. “Es ist eine Aufgabe für künftige Generationen”, so Kurath.
Schweiz Aktuell, 11.5.2026, 19 Uhr