Inmitten des Boomens von Dystopien über die Zukunft sticht Christoph Kellers neuer Schweizer Roman «Nennt mich Wellenkamm» hervor, indem er eine optimistische Perspektive einnimmt. Der faktenbasierte und fantasievolle Text bietet Hoffnung für eine nachhaltige Welt. Am Anfang des Romans gerät Influencerin Amiy unglücklicherweise vom Kreuzfahrtschiff «Splendid» in den Ozean, während sie ursprünglich ein Fotoshooting plante. Kapstadt ist weit entfernt und das Schiff setzt seinen Kurs fort. Trotz der Gefahr versorgt sie ihre Follower über ihr Handy mit Updates. Ihre Erlebnisse entwickeln sich zu einer Robinsonade in naher Zukunft, als ein Umweltschiff, ähnlich dem historischen «Rainbow Warrior», Amiy aufnimmt und ihre Geschichten für die Besatzung teilt.
Obwohl Keller wenig Wert auf die psychologische Feinheit von Amiy legt, bietet sein Roman umfangreiches Wissen über die Folgen der Erderwärmung. Inspiriert von indigenen Lebensweisen werden Lösungen präsentiert, während Amiy sich allmählich in eine solidarische Gemeinschaft integriert. Kellers Studium in Völkerrecht und Sozialanthropologie in den 1980er Jahren spiegelt sich in seiner Verknüpfung zu Jugend- und Umweltbewegungen wider, indem er Ideen aus «Bolo’Bolo» aufgreift und Visionen einer grünen Zukunft skizziert.
Im Gegensatz zur Schweizer Literatur, die oft den Fokus auf Gletscher- und Naturkatastrophen legt, bietet Kellers Werk einen umfassenden Blick auf mögliche Lösungen. Der Roman schließt mit einem erzählerischen Höhepunkt, der das Durchhalten lohnt. Historische Werke wie «Sturz in die Sonne» von Charles Ferdinand Ramuz und Erika Burkarts Gedichte heben die lange Tradition des Umgangs mit Umweltthemen hervor. Franz Hollers «Die Rückeroberung» zeigt, wie Natur langsam Städte übernimmt, während Hans Widmers «Bolo’Bolo» eine Vision von selbstverwalteten Öko-Wohnräumen darstellt. Urs Augstburgers «Wässerwasser» behandelt Konflikte um Wasserressourcen und die Sibylle Berg-Trilogie beschreibt den Kampf gegen den Kapitalismus, wobei im dritten Band Hoffnung auf eine neue Gesellschaft entsteht.