Ein großer Teil der Bevölkerung leidet unter Schlafproblemen, und viele Menschen setzen auf Smartwatches für eine genauere Messung ihrer Schlafqualität. Doch ein Experte warnt davor: Diese Geräte sind ungenau und könnten sogar mehr schaden als nützen.
Jörg Lindemann, Professor für Schlafmedizin am Universitätsklinikum Ulm in Deutschland, äußerte gegenüber dem Bayerischen Rundfunk Bedenken. Er erklärt, dass Smartwatches nicht zuverlässig bestimmen können, ob eine Person wirklich schläft oder wach im Bett liegt. Grund dafür sei die verwendete Messtechnik.
Diese Geräte beurteilen das Schlafverhalten durch Bewegungsanalyse, was bedeutet, dass geringe Bewegungen schnell als Schlaf gewertet werden können, selbst wenn jemand wach ist. Eine echte medizinische Analyse des Schlafs sei jedoch nur mit einem EEG möglich, da dieses Gerät die elektrische Aktivität im Gehirn misst und so die genaue Schlafphase feststellen kann.
Neben der technischen Ungenauigkeit sieht Lindemann ein psychologisches Problem: Eine intensive Beschäftigung mit den Schlafdaten könnte Stress verursachen. Die Geräte suggerierten, dass Schlaf ein kompliziertes Thema sei und man sich darauf konzentrieren müsse, was tatsächlich zu weiteren Schlafproblemen führen könne. Diese Fokussierung auf ideale Schlafwerte wird in der Schlafmedizin als Orthosomnie bezeichnet.
Als Alternative empfiehlt Lindemann einfache Maßnahmen wie einen Spaziergang vor dem Zubettgehen oder eine warme Dusche abends, um den Körper auf die Nachtruhe vorzubereiten. Eine Studie aus der Schweiz von 2025 zeigt, dass 32 Prozent der Bevölkerung unter Schlafmangel leiden. Unter den 18- bis 35-Jährigen gaben ebenfalls 32 Prozent an, in den letzten zwölf Monaten schlecht oder eher schlecht geschlafen zu haben; bei den 36- bis 65-Jährigen waren es 37 Prozent und bei den über 65-Jährigen 25 Prozent. Wie berichtet wurde, könnten Fitnessuhren auch Ess- und Sportwettbewerbe fördern, indem sie das Vergleichen von Daten anregen.