Thom Luz, ein Schweizer Theatermacher, hat Cervantes’ Jahrhundertroman für die Bühne adaptiert und zeigt nun am Theater Basel Don Quijotes Abenteuer als Opernpasticcio. Diese Form einer musikalischen Collage verleiht den Erlebnissen des berühmten Antihelden eine neue Dimension. Der idealistische, jedoch naive Ritter hält Huren für edle Burgfräulein und kämpft gegen Windmühlen in der Annahme, sie seien Riesen. Diese tragikomische Figur gewinnt Sympathie durch ihre kontinuierlichen Fehlschläge, wodurch sie zu einer modernen Ikone neben Faust und Don Juan avanciert.
Luz entscheidet sich gegen eine einfache lineare Erzählung des Schicksals von Alonso Quijada aus La Mancha. Der Ritterroman, erschienen in zwei Teilen 1605 und 1615, wird durch das Opernpasticcio als episodisches Werk dargestellt – ein Stil, der im Barock häufig praktiziert wurde. Für das Basler “Pastetchen” hat Mathias Weibel dreizehn Werke von zwölf Komponisten aus fünf Jahrhunderten zusammengetragen und auf engem Raum kombiniert. Die Ouvertüre des Kammerorchesters Basel unter der Leitung von Eduardo Strausser wechselt schnell zwischen Telemanns “Burlesque de Quixote”, Mendelssohns “Hochzeit des Camacho” und Massenets “Don Quichotte”, bevor es mit Chapí y Lorentes Zarzuela “La venta de Don Quijote” weitergeht. Trotz gelegentlicher Intonationstrübungen in der Bassgruppe gelingen dem Orchester die Übergänge gut.
Jan Bluthardt eröffnet den szenischen Reigen als Cervantes’ Wiedergänger, indem er auf Spanisch spricht – eine Hommage an den Originalroman, die jedoch auch einen komplexen Abend mit Übertiteln erschwert. Neben Deutsch werden Französisch, Englisch und Italienisch gesprochen. Die innovative Eröffnung mit der Sterbeszene von Don Quijote, dargestellt durch Dietrich Henschel, fesselt das Publikum, da Henschel auf dem Totenbett flucht und entkommt.
André Morsch verkörpert Sancho Panza als kräftigen Sänger, der seinen Ritter oft zur Realität zurückholt. Ein Quintett aus dem Opernstudio kommentiert oder agiert in der Geschichte mit. Thom Luz nutzt echte sowie künstliche Schatten (Video-Design: Jonas Alsleben) und ein von Muriel Gerstner entworfenes, drehbares Arbeits- und Sterbezimmer Don Quijotes, um die Grenzen zwischen Realität und Fiktion zu verwischen. Die Kostüme (Tina Bleuler) spielen auf den allmählichen Wahnsinn an.
Musikalisch hebt sich das Pasticcio hervor, wenn es dramatische Momente verstärkt – etwa in der Verwirrung Don Quijotes oder im Kampf gegen riesige Schatten-Windmühlen. Hope Nelsons Auftritt auf einer roten Bühne zu Telemanns Musik und Harpa Ósk Björnsdóttirs Arie unterstreichen die Inszenierung, trotz gelegentlicher Überdeckung der Musik durch Geräusche.
Das Nebeneinander vieler Kompositionen ergibt einen Flickenteppich, der manchmal mehr Fleißarbeit als musikalische Kohärenz verrät. Am Ende kehrt Don Quijote ins Sterbezimmer zurück, begleitet von tröstenden Worten Sancho Panzas und einem multilingualen Bericht des Quintetts über seinen Tod – eine Erinnerung daran, dass Anfänge ohne Ende wertvoller sind. Der vielschichtige Abend endet mit Applaus der Premierenbesucher.