Mit ihren provokativen Performances wurde die österreichische Aktionskünstlerin Valie Export zur Pionierin der feministischen Kunst. Sie ist im Alter von 85 Jahren in Wien verstorben. Ihr berühmtes Foto, das sie als junge Frau mit Maschinenpistole und entblößtem Genital zeigt, stellt die traditionellen Geschlechterrollen in Frage. Geboren als Waltraud Lehner im Jahr 1940, kämpfte Export in den späten sechziger Jahren gegen stereotype Frauenbilder an. Unter dem Künstlernamen Valie Export schrieb sie sich mit ihren Werken ins Zentrum der feministischen Bewegung.
Ihre Kunst war eine Selbstdarstellung im Dienste einer neuen weiblichen Identität, die den eigenen Körper als Medium nutzte. Durch Aktionen wie das «Tapp- und Tastkino» von 1968, bei dem sie Passanten durch einen Karton zu einem Akt der Berührung aufforderte, machte sie den Voyeurismus sichtbar. Diese Aktion erzielte heftige Reaktionen und wurde im Kontext des ersten europäischen Treffens unabhängiger Filmemacher in München präsentiert.
Ihre Performance «Aktionshose: Genitalpanik» von 1969, bei der sie durch die Sitzreihen eines Pornokinos mit einer modifizierten Jeans ging, stellte männliche Betrachter vor eine Herausforderung. Die Künstlerin umkehrte den Blick und gab dem weiblichen Geschlechtsteil eine neue Bedeutung. Marina Abramovic zollte dieser Arbeit Tribut, indem sie die Performance 2005 im Guggenheim-Museum in New York nachstellte.
Auch mit der Aktion «Aus der Mappe der Hundigkeit» thematisierte Export Machtmechanismen und Geschlechterrollen. Dabei führte sie ihren damaligen Partner Peter Weibel an einer Leine durch Wien, was die Reaktionen des Publikums dokumentiert.
Schmerz als Element ihrer Performances nutzte Valie Export etwa in «Body Sign Action» von 1970 und in dem Film «. . . Remote. . . Remote. . .» von 1973, wo sie sich vor einem Polizeifoto selbst verletzte. Ihre Fotografien der «Körperkonfigurationen» (1972–1982) erkundeten innere Zustände durch Interaktion mit Architekturelementen.
Export war Teilnehmerin der Documenta 6 und der Biennale in Venedig, drehte bedeutende Filme wie «Die Praxis der Liebe» von 1984 und lehrte als Professorin für Multimedia-Performance. Ihr umfangreiches Werk wird im Valie Export Center for Performance Art erforscht.
Export reflektierte über ihr Schaffen: Sie habe sich gegen männliche Dominanz gestellt, doch die Situation von Frauen habe sich kaum verbessert. Ihre Arbeit bleibt ein bedeutender Beitrag zur feministischen Kunst.