Die Attacken auf Dubai werden von Walter Posch, Islamwissenschafter an der Landesverteidigungsakademie in Wien, als gravierender Fehler Teherans angesehen. Trotz intensiver militärischer Auseinandersetzungen seit Beginn des Konflikts mit Iran halten sich die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) gegen über 500 ballistische Raketen und mehr als 2000 Drohnenangriffe verteidigt. Zuletzt griff Teheran das Atomkraftwerk Barakah in den Emiraten an, was Abu Dhabi als gefährliche Eskalation deklarierte. Die VAE und Saudi-Arabien sollen US-Präsident Donald Trump dazu bewogen haben, einen geplanten Militärschlag gegen Iran zu verschieben, möglicherweise aus Furcht vor weiteren Vergeltungsaktionen.
Posch erklärt, dass die VAE für Iran wichtiger sind als Saudi-Arabien, da sie militärische Stützpunkte und entscheidende Infrastruktur für US-Operationen bereitstellen. Die Emirate erscheinen zudem als leichter zu bekämpfendes Land gegenüber dem strategisch tiefer gelegenen Saudiarabien. Zudem könnten ökonomische Erfolge der VAE im Vergleich zum iranischen Nationalstolz eine Rolle spielen.
Iran hatte nicht mit einer solchen Eskalation gerechnet und bleibt nun in dieser Lage gefangen, so Posch. Die Angriffe auf Dubai stellen einen entscheidenden Fehltritt dar, da sie den nationalen Stolz der VAE verletzten und eine rote Linie überschritten haben. Iranische Selbstüberschätzung ist laut Posch bemerkenswert.
Trotz ihrer begrenzten militärischen Kapazität können die VAE effektiv mit einer hochentwickelten Armee agieren, die gut mit der NATO und den USA kooperiert. Ihre geografische Lage bietet zudem strategische Vorteile für US-Operationen. Zuvor fungierten sie als wirtschaftlicher Ankerpunkt für Iran durch Finanztransaktionen, welche jetzt unterbunden wurden.
Obwohl Iran militärisch widerstandsfähig ist und das Land schwere Schäden überstanden hat, fehlt es an diplomatischen Erfolgen. Das Regime ist weitgehend isoliert und verfügt nur über pragmatische Partner wie China und Russland, die von einer US-Absorption durch den Iran profitieren.
Die iranische Regierung agiert momentan auf Notbetrieb, was kurzfristig als Erfolg gewertet werden kann. Doch langfristige Stabilität ist gefährdet, da Provinzakteure zunehmend Einfluss gewinnen und die staatliche Geschlossenheit schwindet.
Trump könnte von der Aufhebung wirtschaftlicher Sanktionen profitieren, vorausgesetzt, er kann diese glaubwürdig vermitteln. Dies wäre entscheidend für iranische Zugeständnisse im Atomkonflikt oder gar einem Regimewechsel.
Posch sieht Trumps militärische Strategie kritisch und hält den Konflikt für ein ungelöstes Problem, das zu einem dauerhaften Kollaps Irans führen könnte. Ein Fehleinschätzung des westlichen Blocks sei der iranische Sicherheitsapparat sowie die Unterbewertung organisatorischer Schwächen der Opposition gewesen.