Influencerin Selma Kuyas, HSG-Professorin Heike Bruch und Personalexperte Matthias Mölleney diskutieren, warum es trotz Herausforderungen wichtig ist, sich auf LinkedIn angemessen zu präsentieren.
LinkedIn-Mitglieder begegnen täglich generischen Posts wie: “Ich freue mich, ein neues Kapitel in einer Zeit voller Transformation und Innovation zu beginnen.” Diese oft aus KI-Programmen stammenden Beiträge sind beliebt, doch kritisieren viele ihre Austauschbarkeit.
Trotz der 5 Millionen Nutzerprofile in der Schweiz und der Nutzung durch fast 80 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung gibt es keine echte Alternative zu LinkedIn. Die Plattform ist eine Art Bühne für die Leistungsgesellschaft, so Mölleney.
Bruch betont aus ihrer Forschung in Betriebswirtschaftslehre und Leadership, dass Authentizität entscheidend sei: Menschen fühlen sich von begeisternden und visionären Personen angezogen. LinkedIn-Beiträge sollten inspirierend sein, um echtes Interesse zu wecken.
Die Hemmschwelle, öffentlich Beiträge zu verfassen, war laut Kuyas früher hoch: 96 Prozent der Berufstätigen in der Schweiz zögerten. Die Nutzung von KI als Schreibhilfe hat diese Angst gemindert. Dennoch empfiehlt sie Schulungen zum selbstständigen Verfassen.
LinkedIn erkennt das Problem und reduziert die Sichtbarkeit minderwertiger oder identischer KI-Posts. Eine Analyse von Originality.ai aus dem Jahr 2025 zeigt, dass fast 54 Prozent der Posts von einflussreichen Nutzern als KI-generiert eingestuft wurden.
Mölleney ist überzeugt, dass die Menschen zwischen selbstgeschriebenen und KI-Texten unterscheiden können. LinkedIn erlebt einen Anstieg privater Beiträge seit der Pandemie, was jedoch oft fehl am Platz wirkt. Politische Diskussionen sind ebenfalls häufiger zu sehen.
Seit Musk Twitter übernahm, wanderten viele Nutzer auf LinkedIn ab und verlagerten dort politische Debatten. Bruch warnt allerdings vor hitzigen Diskussionen und rät zum Vermeiden solcher Themen.
Wer sich über bestimmte Posts ärgert, kann sie ausblenden. Kuyas empfiehlt, den Algorithmus durch gezieltes Markieren von Inhalten zu “erziehen”. Die Zahl der Beiträge auf LinkedIn ist im Jahr 2025 um 14 Prozent gestiegen.
Trotz der schnelleren Verfassungsmöglichkeiten mit KI rät Kuyas, die Post-Frequenz nicht zu erhöhen. Fachleute sollten ein bis zwei Posts pro Monat veröffentlichen; Geschäftsführungen einen wöchentlich.
LinkedIn-Premium kann für Selbstständige sinnvoll sein, besonders wenn sie LinkedIn Learning nutzen oder neue Kontakte knüpfen wollen. Ein vollständiges Profil ist essenziell, da viele Firmen aktiv auf der Plattform nach Kandidaten suchen.
Im Jobwechselmodus sollten Bewerber ihre Netzwerke pflegen und persönliche Kontakte nicht vernachlässigen. Bruch rät, sich direkt bei Unternehmen zu bewerben statt nur über LinkedIn-Clicks, um eine bessere Erfolgschance zu haben.