Seit Dienstag ist bekannt, wer in den Kader der Schweiz für die Weltmeisterschaft berufen wurde. Hierbei spielte Analyst Kevin Ehmes eine zentrale Rolle. Seit zehn Jahren unterstützt er den Schweizerischen Fussballverband (SFV) und hat sich dabei einen festen Platz im Team gesichert, wie sein Einfluss bei der Nominierung des WM-Kaders zeigt.
Im Juni 2024 erlebte die Schweizer Nationalmannschaft in Berlin einen historischen Moment: Remo Freulers Tor zur Führung nach 37 Minuten gegen Italien ebnete den Weg zum 2:0-Sieg, einem Triumph von historischer Bedeutung. Während des Spiels war Kevin Ehmes mit der Analyse einer anderen Szene beschäftigt und verpasste das entscheidende Tor – ein Bild, das er gern erzählt.
Ehmes’ Arbeit ist nicht nur auf den Platz beschränkt; er hat sich einen Ruf als „das Auge“ oder „Kevinpedia“ des Teams erarbeitet. Er analysiert die Spielerleistungen überall dort, wo sie spielen – von Saudiarabien bis England – und identifiziert jene 30-35 Spieler im engeren Kreis sowie weitere rund 50 im erweiterten Umfeld.
In den vergangenen Wochen hat Ehmes intensiv die WM-Gegner Katar, Bosnien-Herzegowina und Kanada untersucht. Durch seine Analyse konnte er strategische Empfehlungen abgeben, darunter für die Überraschungsaufnahmen von Cedric Itten und Christian Fassnacht im Angriff des Schweizer Teams.
Geboren in Offenbach und aufgewachsen im Kanton Zug, fand Ehmes schon früh seine Berufung im Sport. Nach einer Karriere in der Datenanalyse bei seinem Studium in Bolton landete er beim SFV, wo er 2018 als einer von zwei Analysten begann. Heute leitet er eine eigene Stabsstelle und arbeitet eng mit dem Trainerstab, darunter Murat Yakin, zusammen.
Ehmes hat die Analyse des Spiels maßgeblich geprägt: Er nutzt einen speziellen Algorithmus der ETH, um die Spielweise der Spieler zu evaluieren. Mit Drohnen zeichnet er Trainingseinheiten auf und liefert dem Trainer wertvolle Einsichten während der Halbzeitpausen.
Trotz seiner Expertise in Datenanalysen sieht Ehmes diese als Hilfsmittel, nicht als Allheilmittel. Er versteht sich als Brücke zwischen Theorie und Praxis im Fußball. Yakin, bekannt für seine Intuition, hat seinen Umgang mit Daten weiterentwickelt – ein Vertrauensbeweis in Ehmes‘ Kompetenz.
Die Schweizer Mannschaft zeichnet sich durch taktische Innovation aus, wie an der EM 2024 sichtbar. Dieses Vorgehen erinnert manchmal sogar an eine Vereinsmannschaft und ist für den Verband ein Erfolgsmoment.
Bereits jetzt fokussiert sich Ehmes auf die WM-Vorbereitungen, mit speziellen Ordnern für alle 28 möglichen Gegner des Sechzehntelfinals. Während das Schweizer Team sein Camp in St. Gallen eröffnet, bereitet sich Ehmes akribisch auf jede Eventualität vor.