Ein drohender großer Streik könnte die bestehenden Engpässe im Speicherchipmarkt verschärfen. Nachdem sich das Management von Samsung nicht mit der Gewerkschaft über Bonuszahlungen einigen konnte, stehen nun etwa 48.000 Mitarbeiter vor einem Ausstand. Mit bis zu 18 Streiktage und einem potenziellen Verlust von 17,6 Milliarden Euro könnte es sich um den größten Arbeitskampf in der Unternehmensgeschichte handeln. Die ohnehin angespannten globalen Märkte für Speicherchips könnten dadurch weiter destabilisiert werden.
Ein vom Regierungsmediator geleiteter Vermittlungsversuch scheiterte am Mittwoch, nachdem das Management einen Kompromissvorschlag abgelehnt hatte. Dieser hätte zusätzliche Zahlungen von über 400.000 Euro pro Mitarbeiter für die Speicherchip-Sparte bedeutet; geringere Beträge standen für andere Abteilungen zur Debatte. Infolgedessen kündigte die Gewerkschaft an, wie geplant am 21. Mai in den Streik zu treten.
Der Aktienkurs von Samsung fiel um 5 Prozent auf 264.500 Won (151,50 Euro), erholte sich jedoch später wieder. Die Regierung versucht erneut, die beiden Parteien ohne Notfallregelung zum Einlenken zu bewegen, obwohl Ministerpräsident Kim Min Seok eine solche Maßnahme nicht ausschließt.
Die wirtschaftlichen Folgen eines Streiks sind erheblich: Analysten von JP Morgan rechnen mit einem Rückgang des Betriebsgewinns um 21 bis 31 Billionen Won (12 bis 17,6 Milliarden Euro), was etwa 10 Prozent der prognostizierten Gewinne ausmacht. Die Bank of Korea schätzt zudem einen Wachstumseinbruch von 0,5 Prozentpunkten.
Die Chipindustrie ist für Südkorea entscheidend, da sie im ersten Quartal 35 Prozent der Ausfuhren ausmachte. Samsung und SK Hynix dominieren den Markt für Speicherchips, deren Preise aufgrund gestiegener Nachfrage steigen.
Im Mittelpunkt des Streits steht die Gewinnbeteiligung: Die Gewerkschaft verlangt eine Vertragsgarantie von 15 Prozent der Gewinne, während das Management eine solche Regelung als Risiko für leistungsbezogene Vergütungen und Flexibilität sieht. Samsung hatte zuletzt angekündigt, Bonuszahlungen zu erhöhen.
Trotz eines Rückgangs liegt der Aktienkurs immer noch deutlich über dem Niveau von Ende April. Analysten rechnen mit einer Kompensation der Streikrisiken durch anhaltende Nachfrage und Preissteigerungen.