In einer Serie von Attentaten mit Sprengstoff und Brandsätzen werden jüdische Institutionen, darunter Synagogen, eine Schule sowie Ambulanzfahrzeuge eines jüdischen Hilfsdienstes, attackiert. Verantwortlich macht sich die Gruppierung «Harakat Ashab al-Yamin al-Islamiyyah» (HAYI), bekannt für ihre Bekenner-Videos mit entsprechendem Logo.
Terrorismus-Experten zufolge beansprucht HAYI diverse Angriffe in Europa, darunter auch solche in Griechenland, Frankreich und den Niederlanden, für sich. Da konkrete Belege fehlen, vermuten manche Experten Desinformation; andere deuten darauf hin, dass die Aktionen geplant, jedoch vereitelt wurden.
Das Internationale Zentrum für Terrorismus-Abwehr in Den Haag (ICCT) analysierte, dass das erste Bekennervideo am Tag der Explosion vor einer belgischen Synagoge veröffentlicht wurde. Die Gruppe kündigte «Militäroperationen gegen US- und israelische Interessen weltweit» an. ICCT-Forscher fanden heraus, dass ein Telegram-Kanal mit pro-iranischen Schiiten-Milizen in Verbindung steht, welche enge Bindungen zu den iranischen Revolutionsgarden unterhalten.
Julian Lanchès vom ICCT identifizierte eine wiederkehrende Nutzung von vier arabischsprachigen Telegram-Kanälen mit hunderttausenden Abonnenten. Zwei dieser Kanäle sind mit pro-iranischen Milizen verbunden, während die anderen sich als Nachrichtendienste ausgeben, jedoch vornehmlich pro-iranische Inhalte verbreiten.
Obwohl der Name neu ist, bleibt das Muster der Propaganda gleich: Jüdische, amerikanische und westliche Ziele sollen angegriffen werden. Lord Beamish vom britischen Parlament sieht Parallelen zur russischen Kriegsführung und vermutet die Einbindung krimineller Gruppen oder bezahlter Einzelpersonen. Seit Oktober 2024 wurden im Vereinigten Königreich über zwanzig iranische Komplotte aufgedeckt, wie der Chef der Terrorabwehr-Polizei Laurence Taylor berichtet.
Dokumentierte Verbindungen Irans zu terroristischen Aktivitäten reichen Jahrzehnte zurück. Die Revolutionsgarden betreiben mit den «Kuds-Truppen» eine Auslandsabteilung, und Hisbollah-Netzwerke wurden in der Vergangenheit für Anschläge genutzt. Der Iran hat laut dem «Wall Street Journal», basierend auf europäischen und US-Quellen, Waffen- und Munitionslager auch in Deutschland und Österreich eingerichtet.
Eine auffällige zeitliche Abfolge bei den Angriffen deutet darauf hin, dass die Propagandisten hinter den Telegram-Kanälen Echtzeitinformationen erhalten haben könnten. Obwohl es Unklarheiten bezüglich der Authentizität und sprachlichen Korrektheit der Videos gibt, könnten diese auf überhastetes Handeln oder Desinformation hinweisen.
Erste Festnahmen in den Niederlanden zeigen, dass fünf Jugendliche im Alter von 17 bis 19 Jahren verhaftet wurden. Dies unterstützt die Annahme, dass Jugendliche, möglicherweise mit kriminellem Hintergrund, rekrutiert werden könnten – ein Muster, das auch bei russischen Sabotageakten in Europa beobachtet wird.
Die Propaganda zielt darauf ab, Angst zu verbreiten und Zwietracht zu säen, obwohl die jüngste Anschlagsserie ohne Verletzte geblieben ist.