Nach den jüngsten Angriffen der USA auf Iran stellt sich die Frage, wie diese Aktionen die Rivalität zwischen den Supermächten USA und China beeinflussen. Während eines Webinars der International Crisis Group wurde festgestellt, dass der Konflikt im Nahen Osten eher zu Gunsten Chinas ausschlägt.
Henriette Levin von einer amerikanischen Denkfabrik bemerkt: «Wenn sich die USA auf den Nahen Osten konzentrieren, profitiert China davon.» Denn Washingtons Ressourcen werden vom Umgang mit Peking abgezogen. Das Pentagon muss sogar Waffensysteme aus dem Indo-Pazifik-Region zurückziehen, was Südkorea betrifft.
Die wirtschaftlichen Konsequenzen des Iran-Konflikts treffen die US-Verbündeten in Ostasien stärker als China, wie Levin hervorhebt. William Yang von der International Crisis Group ergänzt: Taiwans Sorgen steigen, da sie befürchten, dass sich die USA längere Zeit nicht prioritär auf Ostasien konzentrieren können. Trumps mangelnde Sympathie für demokratische Partner in Japan, Südkorea und Taiwan verstärkt diese Ängste.
Es besteht die Befürchtung, dass Trump seine Unterstützung für Taiwan zurückfahren könnte, was traditionell von US-Präsidenten gewährleistet wurde. Die Sorge besteht, dass er im Austausch gegen chinesische Zugeständnisse in anderen Bereichen ein Geschäft eingehen könnte.
Zongyuan Zoe Liu vom Council on Foreign Relations erklärt, dass Chinas Reaktion auf Trumps unvorhersehbare Politik schnell erfolgte. Trotz der Zollkriege hat sich China an die neuen Bedingungen angepasst. Liu betont: «Trump habe sich selbst überschätzt und China unterschätzt.» Die US-Praxis, traditionelle Alliierte zu behandeln, sei fast selbstzerstörerisch.
Ali Wyne von der International Crisis Group ist erstaunt darüber, wie schnell Partner der USA wie Kanada oder Europa sich davon überzeugt haben, dass sie sich sowohl von China als auch den USA distanzieren müssen. Huong Le Thu fügt hinzu, dass Trumps Vision für die Beziehungen zu China unklar bleibt und laut der Nationalen Sicherheitsstrategie weniger konfrontativ erscheint.
Trump sieht keine Probleme mit Chinas diktatorischer Regierung, seiner Einmischung in Nachbarländer oder Menschenrechtsverletzungen. Dies mag geopolitische Stabilität fördern, steht jedoch im Widerspruch zu einer liberalen Weltordnung basierend auf Rechten.
Echo der Zeit, 27.03.2026, 18 Uhr