Nach einer beinahe monatigen Pause haben die jemenitischen Milizen ihre erste Rakete seit langem auf Israel abgefeuert und sich damit erstmals aktiv in den Konflikt eingemischt. Dieser Schritt markiert den Eintritt der Huthi-Miliz in den Nahostkrieg an der Seite Irans, mit möglicherweise schwerwiegenden Auswirkungen auf die Region.
Der Krieg im Nahen Osten hat sich seit dem Beginn der Angriffe Israels und Amerikas auf Iran vier Wochen lang intensiviert. Die israelische Armee kämpft sich durch Stellungen des wiedererstarkten Hizbullah in Libanon, während schiitische Milizen im Irak Raketen auf US-Basen abfeuern. Der Golf steht unter Beschuss der iranischen Vergeltungsaktionen.
Bislang blieben die Frontlinien im Jemen überraschend ruhig. Die Huthi, einst Bergkrieger und jetzt verbündet mit Iran seit ihrer Machtübernahme 2015 in Nordjemen, zögerten, sich einzumischen, obwohl sie als prädestiniert galten, Seite an Seite mit Iran zu kämpfen.
Jetzt haben die Huthi ihre Zurückhaltung aufgegeben. Yahya Saree, der militärische Sprecher der Huthis, verkündete am Freitag über das Fernsehen den drohenden Kriegseintritt seiner Truppen aus Sanaa. Er drohte: «Wir haben den Finger am Abzug», falls die Angriffe auf Iran nicht enden oder das Rote Meer für Überfälle genutzt würde.
Ein paar Stunden später schossen sie tatsächlich eine Rakete auf Israel ab, was den Krieg nun auch in Südarabien ausbrechen lässt. Die Konsequenzen sind noch unklar. Schon im Oktober 2023 hatten die Huthi Israel mit Raketen beschossen und das Rote Meer angegriffen, um der Hamas in Gaza zu helfen.
Ihre Positionen wurden daraufhin durch Bombenkampagnen von Amerikanern, Briten und Israelis attackiert. Diese Zerstörungen töteten Regierungsmitglieder und beschädigten die Infrastruktur des armen Jemen ohne nachhaltige Schwächung der Huthi. Ein Abkommen mit den USA wurde später unter Trump erreicht, was zu einer vorübergehenden Beruhigung führte.
Die Wiederaufnahme der Kampfhandlungen durch die Huthis erfolgt nun im Kontext eines anderen Krieges: Obwohl ihre Raketen keinen Schaden anrichteten, treffen sie auf eine ermüdete israelische Abwehr, die sich bereits gegen Angriffe aus Iran wehren muss.
Die Huthi haben andere Taktiken zur Verfügung. Gemeinsam mit Iran könnten sie den ohnehin leidenden Golfstaaten gefährlich werden, insbesondere Saudi-Arabien, das jahrelang Luftschläge gegen die Huthi führte und nun erneut in Gefahr ist.
Auch auf See könnte es zu Angriffen kommen. Bereits 2023 hatten sie die Meerenge Bab al-Mandab unsicher gemacht, was im Falle eines erneuten Eingreifens den Handel stark beeinträchtigen würde. Die Kontrolle über diese und die Strasse von Hormuz durch Iran könnte schwerwiegende Folgen für die Weltwirtschaft haben.
Obwohl sie mit Iran verbündet sind, verfolgen die Huthi einen eigenen Kurs, was zu einer eher pragmatischen Allianz führt. Zudem müssen sie ihre Position im Jemen gegen lokale Oppositionsgruppen verteidigen, wobei Saudi-Arabien kürzlich erfolgreich eine Einigung erzwang.
Für Saudi-Arabien bedeutet der Kriegseintritt der Huthis die Gefahr eines Zweifrontenkrieges, während Bombardierungen aus der Luft bislang nicht effektiv waren. Es bleibt ihnen also die Möglichkeit, gegebenenfalls auch am Boden gegen die Jemeniten vorzugehen.