Die SVP versucht, ihre 10-Millionen-Initiative als “grün” zu vermarkten. Die SP befürwortet zwar verdichtetes Bauen, setzt dies aber nur theoretisch um. Das Ringen um die Zuwanderung offenbart Widersprüche sowohl bei Links als auch Rechts. In Maienfeld hat die SVP am Samstag den Abstimmungskampf für ihre Initiative gestartet. Zwischen Capuns und Nusstorte schürten Delegierte die Angst vor Überbevölkerung. Parteipräsident Marcel Dettling warnte: «Wir wollen kein zweites Singapur werden!» Kulturlandverlust, Verkehrsstau und Wohnungsnot wurden als Folgen eines unkontrollierten Wachstums skizziert. Die Kampagne nutzt die Kontraste, die Johanna Spyris “Heidi” aufzeigt: heile Bündner Bergwelt versus bedrohliche Grossstadt. Plakate zeigen wie Baukräne Dorfbilder gefährden, ohne den SVP-Schriftzug – ein strategischer Schachzug, um über ihre Kernwählerschaft hinaus zu wirken. Die Initiative zielt auf eine Verfassungsänderung ab: Vor 2050 soll die Bevölkerungszahl nicht zehn Millionen überschreiten. Doch obwohl die SVP Umweltschutz betont, hat sie sich bisher gegen Klimaschutzmaßnahmen gestellt. Ihre Kampagne gegen das CO2-Gesetz von 2021 zeigte Widerstand gegen umweltpolitische Verbesserungen. Politikwissenschafter Line Rennwald und Lukas Lauener vom Fors in Lausanne sehen wenig Erfolg für die SVPs Öko-Framing. Ihre Befragung zeigt, dass Umweltbewusste die Initiative ablehnen. Die SP, Grüne und Gewerkschaften planen eine Gegenkampagne, wobei Cédric Wermuth Migration als historisch positiv hervorhebt. Doch auch linke Parteien stehen vor Herausforderungen: Trotz Forderung nach Verdichtung lehnt die SP in Zürich Hochhausprojekte ab. Dies zeigt sich an der Gutstrasse, wo ein neues Gebäude entsteht, während Pläne für weitere Hochhäuser blockiert werden. Ein ähnlicher Konflikt besteht bei der Bau- und Zonenordnung: Höhere Ausnutzung ist theoretisch möglich, doch 75 Prozent der Fläche müssen preiswert sein, was Investoren abschreckt. Gregor Rutz von der SVP kritisiert diese Regelungen. Auch die SP will Wohnraum stärker reglementieren und plant eine Wohnschutzinitiative in Zürich, ähnlich wie sie in Basel umgesetzt wurde – mit dem Ergebnis geringerer Sanierungs- und Bauaktivitäten. Trotz Kritik hält Wermuth an einem ausgewogenen Ansatz fest: «Wir müssen für normale Leute bauen». Zuwanderung erfordert auch mehr Strom, doch der Ausbau von Wasserkraftwerken oder Solarparks wird durch linke Opposition behindert. Diese Beispiele verdeutlichen die Schwierigkeiten in einer Debatte, die sowohl ökologische als auch soziale Aspekte umfasst.