In der Turnhalle von Lausanne Nord hallt französischer Rap wider, während gleichzeitig zwei Fussballspiele ausgetragen werden. Die Mannschaften setzen sich aus Jugendlichen und Polizeibeamten zusammen – ein Bild, das vor wenigen Monaten noch unvorstellbar gewesen wäre. Damals eskalierten die Spannungen in der Stadt: Jugendliche zündeten eine Busstation an und lieferten sich tagelange Straßenschlachten mit der Polizei.
Der Tod eines jungen Mannes, der bei einer Flucht vor einem Polizeieinsatz ums Leben kam, sowie entlarvte rassistische Chats innerhalb der Polizeikräfte erschütterten das Vertrauen tief. In dieser angespannten Atmosphäre musste ein geplantes gemeinsames Fussballturnier abgesagt werden – die Angst vor weiteren Unruhen war zu groß.
Jetzt wird das Turnier nachgeholt, um neue Brücken zwischen Polizei und Jugendlichen zu schlagen. Mario Scuderi vom Quartierverein erklärt: “Wir wollen nicht gegen die Polizei spielen, sondern mit ihr zusammen. Es geht darum, Verbindungen aufzubauen.” Lionel Imhof von der Lausanner Polizei betont, dass ein solcher Anlass nach den Vorfällen vor einem halben Jahr zu kontraproduktiv gewesen wäre.
Um 18:49 Uhr wird die Partie für das Fastenbrechen unterbrochen. Youssef, 13 Jahre alt und mit einer Dattel in der Hand, ist überrascht von der Leichtigkeit seiner Teamkollegen aus den Reihen der Polizei: “Die Polizisten haben mehr Humor als ich dachte.” Auch Bintu, eine 14-Jährige, bemerkt die Offenheit, die hier im Gegensatz zur Straße herrscht.
Nach der Pause wird das Spiel fortgesetzt. Die Kämpfe auf dem Feld sind intensiv, doch Frieden regiert überall. Lionel Imhof weist darauf hin, dass sich unter den Zuschauern durchaus Skeptiker befinden, vor allem ältere Jugendliche im Alter von 16 bis 17 Jahren. Dennoch glaubt er, dass der Anlass zur Verringerung der Polizeiskepsis beiträgt.
Sowohl Imhof als auch Mario Scuderi sind sich bewusst, dass das Turnier nicht alle Spannungen lösen kann. “Die organisierten Banden würden wahrscheinlich kaum teilnehmen”, merkt Scuderi an. Dennoch ist klar: Die Polizisten auf dem Feld sind jene, die am meisten offen sind.
Nach dem Schlusspfiff geht der Abend weiter mit gemeinsamen Gesprächen beim Essen – ein symbolischer Schritt zur Vertiefung des Dialogs zwischen Jugendlichen und Polizei.