Nach einem tragischen Verkehrsunfall in Sedrun wird die Frage der Fahrtüchtigkeit älterer Menschen erneut diskutiert. Am 20. März verwechselte ein 87-jähriger Autofahrer das Gas- mit dem Bremspedal, was zu einer Kollision mit Schülerinnen und Schülern aus einem Skilager führte. Eine Lehrerin (47) starb, während drei Kinder, darunter zwei schwer, verletzt wurden.
In der Schweiz müssen Autofahrer ab 75 Jahren erstmals eine medizinische Untersuchung durchlaufen. Diese beinhaltet die Überprüfung von Sehvermögen und Reaktionsfähigkeit sowie die allgemeine gesundheitliche Eignung zum Fahren, wobei die Tests alle zwei Jahre wiederholt werden müssen. Peter Burri von Pro Senectute schlägt jedoch vor, dass bei sehr alten Personen eine jährliche Überprüfung sinnvoll sein könnte, da ab dem 80. Lebensjahr die Fahrtüchtigkeit deutlich nachlassen kann.
Daten des Bundesamts für Statistik belegen, dass Autofahrer über 80 Jahre pro gefahrenem Kilometer am häufigsten Unfälle verursachen. Burri plädiert daher dafür, jährliche Kontrollen in Betracht zu ziehen, abhängig vom Alter und Gesundheitszustand, möglicherweise kombiniert mit einem Praxistest bei einer Fahrlehrerin.
Bea Heim von Vasos, die einen Mitgliederstamm von rund 130.000 Senioren vertritt, äußerte sich besorgt über den Unfall, befürwortet jedoch keine Verschärfung der Kontrollen. Die bestehenden Regelungen seien ausreichend, da ältere Menschen oft selbst einschätzen können, wann sie nicht mehr fahren sollten und freiwillig auf ihren Führerausweis verzichten.
Der Unfall wirft zudem die Frage auf, ob es angemessen ist, dass viele Kontrollen beim eigenen Hausarzt stattfinden. Sébastien Jotterand vom Schweizer Hausärzteverband räumt ein, dass durch langjährige Bekanntschaft das Risiko besteht, dass Ärzte zu nachsichtig sind. Er betont jedoch die Wichtigkeit der Standardisierung der Tests und lehnt eine Anpassung der Regelungen ab.
Marco Wölfli vom TCS empfiehlt älteren Fahrerinnen und Fahrern generell, ihr Fahrverhalten anzupassen, indem sie Staus vermeiden oder nur dann fahren, wenn sie sich gut fühlen. Diese Maßnahmen könnten die Sicherheit bereits erhöhen.