Phosphor wird aus Hartgestein gewonnen und ist weltweit ungleich verteilt. 80 Prozent der Vorkommen befinden sich in Marokko und der westlichen Sahara. Da die Schweiz keine eigenen Lagerstätten besitzt, importiert sie ihren gesamten Bedarf. Jährlich bezieht das Land 14’660 Tonnen Phosphor, vorwiegend aus Russland, wie das Bundesamt für Umwelt mitteilt.
Christine Alewell, Umweltwissenschaftlerin an der Universität Basel, betont: «Phosphor ist essentiell für die Landwirtschaft. Bei jeder Ernte entziehen wir den Böden Nährstoffe und müssen deshalb düngen.» Ohne Phosphor als Dünger wäre moderne Landwirtschaft nicht möglich.
Die Schweiz hat frühzeitig verbindliche Vorgaben zur Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlamm entwickelt, wie Alewell erklärt: «Wir sind Pionier in dieser Hinsicht.» Die Verbindung zwischen Klärschlamm und Phosphor besteht darin, dass menschlicher Abfall über das Abwasser in Kläranlagen gelangt.
Bis 2006 war es erlaubt, Klärschlamm als Dünger zu verwenden. Daniel Rensch von der Zürcher Kläranlage betont jedoch: «Dies führte zur Verbreitung problematischer Stoffe wie Schwermetalle auf Feldern.» Seit dem Verbot wird Klärschlamm verbrannt oder deponiert.
Ein Gesetz von 2016 verpflichtet nun zur Phosphorrückgewinnung, um ihn in den Kreislauf zurückzuführen – theoretisch bis 2026. Rensch sieht jedoch technische Umsetzungshürden: «Es gibt erprobte Verfahren, doch der Sprung zu großindustriellen Anlagen gelingt uns momentan nicht.»
Auf politischer Ebene herrscht mehr Gelassenheit. Bundesrat und Parlament geben den Kantonen bis 2028 Zeit für die Klärschlammplanung, erklärt Rahel Galliker vom Bundesamt für Umwelt. «Die Pflicht zur Rückgewinnung tritt in Kraft, sobald eine Anlage existiert.» Aktuell gibt es keine solche Anlage, jedoch sind Projekte in Zuchwil (SO), Oftringen (AG) und Bazenheid (SG) geplant.
Daniel Rensch drängt auf den Baubeginn der Anlage in Zuchwil mit Kosten von 150 bis 200 Millionen Franken. Die Finanzierung ist nur eine Hürde: «Es bleibt unklar, wer recycelten Phosphor abnimmt und ob Bauern diesen kaufen.»
Rensch bemerkt, dass recycelter Phosphor teurer als Marktpreisphosphor sein kann – ein Nachteil des Kreislaufs.