Die andauernden militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA, Israel und Iran verursachen wachsende Unsicherheiten an den internationalen Börsen. Der Ölpreis ist beeinträchtigt – das Fass Brent notiert mit 115 Dollar rund 4 Prozent höher nach dem jüngsten Anstieg. Im Gegensatz dazu zeigen viele asiatische Aktienmärkte deutliche Verluste, während europäische und Schweizer Börsen zunächst weniger stark betroffen sind. Der Schweizer SMI verlor seit Jahresbeginn etwa 5 Prozent, der deutsche DAX etwa 9 Prozent und der amerikanische S&P-500 rund 7 Prozent.
Santosh Brivio, Leiter Economic Research bei der Migros Bank, erklärt: „Die Investoren befürchten nun einen langanhaltenden Konflikt im Nahen Osten.“ Anfangs hatten viele von einem kurzen Konflikt ausgegangen. Mit zunehmender Dauer des Krieges steigt jedoch die Befürchtung einer längeren Eskalation.
Die Huthi-Miliz aus dem Jemen, verbündet mit Iran, hat kürzlich ihre Teilnahme am Krieg angekündigt. Zudem sorgte ein Interview mit US-Präsident Trump für Aufmerksamkeit, in dem er die Präferenz äußerte, das iranische Öl zu beschlagnahmen – vergleichbar mit den Maßnahmen im Jänner gegen Venezuela.
Das US-Verteidigungsministerium hat zudem 10.000 Soldaten entsandt, von denen 3.500 bereits eingetroffen sind. Berichten zufolge prüft Trump auch einen Militäreinsatz in Iran zur Sicherung von Uranvorräten.
Die Angriffe der USA und Israels auf Iran setzen sich fort. Trump äußerte jedoch, dass es Fortschritte bei den indirekten diplomatischen Gesprächen mit dem Iran gebe, die bis zum 6. April eine Lösung anstreben sollen, einschließlich der Freigabe der Straße von Hormuz.
Die amerikanischen Börsen haben ihre fünfte Woche in Folge mit Verlusten beendet. Brivio warnt: „Der Iran-Konflikt wirkt sich über die Energiepreise und blockierte Seewege auf große Volkswirtschaften aus, was zu erhöhten Risikoprämien im Schiffsverkehr führt.“
Brivio unterscheidet zwei mögliche Szenarien: Ein weniger schlimmes mit begrenzter Eskalation sowie ein schwereres mit anhaltenden Angriffen auf die Energieinfrastruktur in der Region, was zu erheblichen Produktions- und Exportverlusten führen könnte.
Der Ölmarkt bleibt unter Spannung: Brent-Öl stieg seit Jahresbeginn um fast 90 Prozent. Im weniger schlimmen Szenario könnten die Preise nachgeben; im schwereren könnte es zu einem lang anhaltenden Engpass kommen, möglicherweise bis ins Jahr 2027.
Thomas Stucki von der St. Galler Kantonalbank weist auf das Risiko für wirtschaftliches Wachstum und geldpolitische Reaktionen hin. Hohe Energiepreise könnten die Inflation beeinflussen, was Zinserhöhungen wahrscheinlich macht – mit potenziell negativen Auswirkungen auf Aktienkurse.
Konjunktursensible Sektoren wie Industrie und Tourismus könnten stark betroffen sein. Energietitel könnten durch höhere Preise gestützt werden, was einige Gewinner hervorbringt, darunter amerikanische Ölkonzerne. In einem Eskalationsszenario könnten Investitionen in sichere Häfen wie Schweizer Franken oder US-Staatsanleihen steigen.
Nach einer Hausse ist der Goldpreis um bis zu 18 Prozent gefallen, was auf veränderte geldpolitische Erwartungen und einen stärkeren Dollar zurückzuführen ist. Privatanleger neigen in unsicheren Zeiten zur Panikreaktion und zum Umschichten von Anlagen, was oft dazu führt, dass sie Gewinne aus den Börsenaufschwüngen verpassen.
Brivio rät Investoren zu einer langfristigen Perspektive und breiter Risikostreuung. Eine feste Anlagestrategie und der Einsatz von ETFs oder Indexfonds könnten helfen, in Krisenzeiten stabil zu bleiben.