Michael Hermann, ein renommierter Politologe und Leiter des Forschungsinstituts Sotomo, erläutert gegenüber SRF News den sich wandelnden Einfluss der nationalen Bekanntheit auf kantonale Exekutivämter. Traditionell waren Erfahrungen im Kanton oder in einer lokalen Führungsfunktion entscheidend für eine erfolgreiche Wahl. In jüngerer Zeit jedoch nimmt die Bedeutung von Bekanntheiten aus dem Nationalrat zu, was einen bemerkenswerten Trend darstellt.
Aline Trede, bekannt für ihre klare politische Positionierung und Offenheit gegenüber anderen Meinungen, konnte sich ohne Anpassung ihres Images erfolgreich zur Wahl stellen. Dies ist ein Indikator dafür, dass der Wandel in den Erwartungen an Kandidaten greift. Früher hätten gemäßigte Profile wie das von Reto Müller, Stadtpräsident einer mittelgroßen Stadt, mehr Chancen gehabt.
Es stellt sich die Frage, ob Frauen stärkeren Anpassungsdruck verspüren müssen. Trede folgt nicht dem traditionellen Bild der Präsidialität, was zeigt, dass ihre unkonventionelle Art und nationale Bekanntheit ihr zugutekommen.
Balthasar Glättli ist ein Beispiel dafür, wie auch in linken Städten eine kurze Wahlkampagne erfolgreich sein kann. Céline Widmer und Roger Nordmann, beide Nationalräte, konnten ebenfalls erfolgreich in kantonale Exekutivämter wechseln. Dieser Wandel wird von der veränderten Medienlandschaft begleitet, die weniger auf Lokales fokussiert ist, wodurch nationale Politiker häufig im lokalen Diskurs dominieren.
Hermann zeigt sich neugierig, wie Trede den Rollenwechsel vom Parlament ins Exekutivamt meistern wird. Während im Parlament die eigene Agenda geführt werden kann, bedeutet ein Exekutivamt mehr Macht, jedoch weniger persönliche Freiheit.
Das Interview führte Eveline S. Kobler für das Regionaljournal Bern Freiburg Wallis am 29. März 2026 um 17:30 Uhr.