Infolge der Spannungen im Iran-Konflikt sehen sich die Deutschen mit gestiegenen Spritpreisen und Inflation konfrontiert. Die wirtschaftlichen Institute haben ihre Wachstumserwartungen für das Jahr drastisch gesenkt. Nach den jüngsten Schätzungen rechnen sie nur noch mit einem minimalen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 0,6 Prozent, wie aus einer Mitteilung in Berlin hervorgeht. Zuvor lag die Erwartung bei 1,3 Prozent.
Timo Wollmershäuser vom Ifo-Institut erklärt: «Der Energiepreisschock durch den Konflikt trifft die wirtschaftliche Erholung hart. Dennoch sorgt die expansive Fiskalpolitik für Stabilität in der Binnenwirtschaft und verhindert ein stärkeres Absinken der Werte.» Für 2027 prognostizieren die Institute ein Wachstum von 0,9 Prozent – deutlich weniger als zuvor erwartete 1,4 Prozent.
Die Experten rechnen zudem mit einem merklichen Anstieg der Verbraucherpreise. Die Inflationsrate soll in diesem Jahr auf durchschnittlich 2,8 Prozent und im nächsten auf 2,9 Prozent steigen. Diese Einschätzung stammt von einer Gemeinschaftsdiagnose, an der unter anderem das Ifo-Institut und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) beteiligt sind.
Seit Ausbruch des Konflikts im Iran Ende Februar sind die Preise für Öl und Gas drastisch gestiegen. Der Schiffsverkehr durch die strategisch wichtige Straße von Hormuz ist praktisch zum Erliegen gekommen, was die internationale Energieversorgung beeinträchtigt. Die Frage, wann eine Durchfahrt wieder möglich sein wird, bleibt offen. Die USA haben sich entschieden, die Verantwortung für die Öffnung der von Iran blockierten Meerenge anderen Ländern zu überlassen und erklären, dass sie mit den Konsequenzen des Konflikts «nichts zu tun» hätten.
Die Institute sprechen von einem «Energiepreisschock». Nach Jahren wirtschaftlicher Flaute und minimalem Wachstum im Jahr 2025 sollte die deutsche Wirtschaft eigentlich wieder anziehen – vor allem dank staatlicher Milliardeninvestitionen in Verteidigung und Infrastruktur. Doch der Preissprung bei Energie verteuert auch Düngemittel, was sich auf Lebensmittelpreise auswirkt. Höhere Produktions- und Transportkosten könnten ebenfalls die Warenpreise erhöhen. Die gestiegene Inflation könnte den privaten Konsum dämpfen. Vor einigen Monaten waren noch 2,0 Prozent Preissteigerung im Jahr 2026 und 2,3 Prozent im folgenden Jahr prognostiziert worden.