Alicia umarmt ihre Mutter Aida nach dem Besuch der staatlichen Kinderbetreuungseinrichtung «círculo infantil» in Havanna. Die Betreuerin informiert, dass aufgrund eines Mangels an Reis das Mittagessen nur aus Wurst, Hackfleisch und Eiern besteht. Diese Einrichtungen sind für Eltern wie Aida erschwinglich, doch die Realität sieht anders aus: «Wenn es keinen Reis gibt, bringen wir ihn heimlich», erzählt Aida, da eine Schliessung droht.
In den Fluren der Kita prangen Bilder von Fidel Castro. Trotz seines Todes vor zehn Jahren bleibt er omnipräsent, besonders im Jahr seines 100. Geburtstages. Kritik am Regime ist gefährlich; Aida und Alicia sind Pseudonyme.
Aida klagt über die verfallene Infrastruktur Kubas: Strom- und Produktionsausfälle, Lebensmittel-, Benzin- und Medikamentenmangel sowie hohe Preise prägen das Leben. Die US-Sanktionen verschärften den Treibstoffmangel weiter, obwohl Russland kürzlich Öl lieferte.
Aidas monatliches Gehalt von etwa 24 Franken reicht kaum zum Überleben; ein Sack Milchpulver kostet schon fünf Franken. Sie zeigt ihren Widerstand, indem sie Marschrouten im Fernsehen lautstark kommentiert und dann anruft, um ihre Abwesenheit zu demonstrieren.
Im Stadtteil Habana Vieja offenbart sich der marode Zustand des Gesundheitswesens: Schimmelbefall in einem Spital, defekte Röntgengeräte. Der pensionierte Röntgentechniker Fernando, genannt von uns, bleibt arbeiten, da er sich sein renovierungsbedürftiges Zuhause nicht leisten kann und im Spital übernachtet.
Havannas prunkvolle Architektur steht im Kontrast zum Verfall vieler Häuser. Die Regierung fehlt das Geld für die Instandhaltung, was der Bevölkerung zu schaffen macht.
Der Aktivist Boris González Arenas berichtet von Reisebeschränkungen durch die Behörden. Viele Kubanerinnen und Kubaner, vor allem junge Menschen, verlassen das Land; in den letzten fünf Jahren sind 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung emigriert.
Die 83-jährige María, Mitglied der Kommunistischen Partei, erzählt von ihrer Kindheit auf einer amerikanischen Zuckerplantage. Sie schwärmt von der Revolution und den Bildungsfortschritten für ihre Kinder. Heute jedoch erlebt sie die Schmerzen des Verlusts: Ihre Familie lebt im Ausland, finanziell abhängig von dort.
Viele Kubanerinnen und Kubaner sind enttäuscht, dass der Sozialismus nicht das versprochen hat, was er versprach. Sie erleben eine Krise, die viele in die Arme ihrer im Ausland lebenden Familien treibt.