Infolge des Konflikts im Persischen Golf und der damit verbundenen Blockade der Straße von Hormuz hat Russland einen enormen Anstieg seiner Einnahmen aus dem Export von Erdöl und Erdgas erlebt. Dies geschieht genau dann, als internationale Sanktionen gegen das Land zunehmen und dessen Haushalt zu leiden beginnt.
Die Forschungsorganisation Centre for Research on Energy and Clean Air (Crea) schätzt, dass Russland in den ersten Märzwochen rund 12 Milliarden US-Dollar aus dem Export dieser Rohstoffe eingenommen hat. Auf den gesamten Monat hochgerechnet entspräche das etwa 17,6 Milliarden US-Dollar – eine Steigerung von einem Viertel gegenüber Februar.
Sergei Wakulenko von der Carnegie Endowment for International Peace, ein Experte für Russlands Energiesektor, berechnet ähnliche Zahlen. Für den russischen Staat bedeutet dies Mehreinnahmen von 7 bis 8 Milliarden US-Dollar aus Erdöl- und Erdgasexporten, das entspricht einer Verdopplung gegenüber dem Vormonat. Berücksichtigt man die Gewinne der Unternehmen, könnten die Mehreinnahmen im März sogar bei etwa 12 Milliarden US-Dollar liegen.
Der Konflikt hat zur Folge, dass Russland von den durch Israel und die USA initiierten Aktionen gegen Iran profitiert. Die Preise für Energieträger sind deutlich gestiegen, da nur wenige Schiffe die Meerenge passieren können, was zu Knappheiten führt. Um die Versorgungslage zu stabilisieren, hat das US-Finanzministerium den Kauf von sanktioniertem russischen Erdöl vorübergehend erlaubt.
Dabei profitieren besonders China und Indien, aber auch Philippinen und Südkorea haben aufgrund logistischer Probleme wieder russisches Öl bezogen. Auch Sri Lanka plant nun Einkäufe bei Russland.
Die Preise für russisches Erdöl sind innerhalb eines Monats mehr als verdoppelt worden. Ein Fass des Sortiments Ural kostete Ende Februar an der Ostsee noch 40 US-Dollar, Ende März erreichte es mit 93,40 US-Dollar den höchsten Stand seit vier Jahren.
Russland hat zudem seine Position auf dem Düngemittelmarkt ausgebaut und könnte laut der Deutsch-Russischen Handelskammer durch die Krise am Golf bis zu 10,2 Milliarden US-Dollar mehr an Exporterlösen erzielen als im Vorjahr.
Während russische Staatseinnahmen über den Winter sanken, hat sich die Lage dank der höheren Rohstoffpreise wieder gebessert. Russland konnte seine Verluste durch Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil ausgleichen, da indische Raffinerien bereit sind, mehr als den Referenzpreis zu zahlen.
Daraus ergibt sich eine weniger dringliche Notwendigkeit für fiskalische Anpassungen. Frühere Überlegungen zur Kürzung von Ausgaben und zur Anpassung der Budget-Regel werden vorerst zurückgestellt.
Allerdings beeinträchtigen ukrainische Drohnenangriffe auf russische Erdölanlagen die Exporte, was zu Produktionsausfällen führt. Dennoch beliefen sich die Erdölexporte per Schiff in den ersten Märzwochen laut Bloomberg auf durchschnittlich 3,31 Millionen Fass pro Tag.
Sollte der Rohölpreis hoch bleiben, könnte Russland bis Jahresende zusätzliche Einnahmen von etwa 40 Milliarden US-Dollar erzielen.
Für Europa wird die Lage komplexer. Die Abhängigkeit von russischen Energieträgern bleibt trotz des Konflikts bestehen, während alternative Bezugsquellen knapp sind. In Brüssel gibt es zunehmend Stimmen, die eine Fortsetzung der Energieimportbeziehungen zu Russland fordern.
Ungarn unter Viktor Orban und Belgien unter Bart De Wever drängen auf eine Fortführung der Beziehungen mit Russland zur Sicherstellung der Energieversorgung. So steht Europa vor einer Herausforderung, während Russlands Position sich verbessert.