In Jerusalem ist Wahjeed Nuseibeh eine bekannte Figur; täglich öffnet er als Muslim das schwere Tor der Grabeskirche. Er sorgt dafür, dass Besucher ihre Hüte abnehmen und Kleider ordnen sowie Getränke draußen lassen. Zusätzlich vermittelt er zwischen den sechs christlichen Konfessionen, die sich die Kirche teilen. Seine Familie übernimmt diese Aufgabe seit dem 12. Jahrhundert, als Saladin Jerusalem unter muslimischer Herrschaft eroberte und entschied, dass der Ort für Christen bestehen bleiben sollte.
Um den Frieden zwischen den Religionen zu symbolisieren, wurde die Verantwortung für das Tor einer muslimischen Familie übertragen, während eine weitere den Schlüssel aufbewahrte. Diese historische Rolle war neu für Filmemacher Florian Höllerl, der durch Zufall davon erfuhr. Er plant einen Film über diese einzigartige Aufgabe.
Höllerls anderes Projekt „Das Grabtuch von Turin“ wird am 12. April um 10:05 Uhr auf SRF 1 ausgestrahlt und steht auch im Stream auf Play SRF zur Verfügung. Für seinen neuen Dokumentarfilm über die Grabeskirche reiste er nach Jerusalem, dessen christliches Viertel 1967 von Israel annektiert wurde, obwohl viele Staaten Ostjerusalem als zukünftige Hauptstadt eines palästinensischen Staates sehen.
Durch seine Dreharbeiten im November 2025 inmitten der Spannungen nach israelischen Luftangriffen auf den Iran, erhielt Höllerl neue Perspektiven. Er arbeitete mit einem palästinensisch-christlichen Kameramann und einem säkularen jüdischen Stringer zusammen, deren Erfahrung half, schwierige Situationen zu meistern.
Höllerl reflektierte über die Bedeutung Jerusalems als besonderen Ort, geprägt von dem „besonderen Menschen“ Jesus und den Herausforderungen des friedlichen Zusammenlebens. Türöffner Wahjeed Nuseibeh betont: “Letztlich haben wir alle denselben Gott.” Seine Nachfolge ist noch offen, während er weiterhin jeden Tag die Kirche öffnet und schließt.