Die US-Regierung hat die Veröffentlichung von amerikanischen Satellitenbildern aus der Golfregion untersagt, was als ein unverhältnismäßiger Eingriff in die Pressefreiheit kritisiert wird. Kriege hinterlassen sichtbare Spuren, erkennbar sogar aus dem Weltraum – sei es durch Krater auf Landebahnen, zerbombte Gebäude oder Panzerbewegungen. Satellitenbilder bieten ein umfassendes Bild von globalen Konflikten und ignorieren Grenzen sowie physische Barrieren wie Zäune. Seit März hat Planet Labs, ein führender Anbieter im Bereich der Satellitenbilder, die Veröffentlichung seiner Aufnahmen aus der Golfregion eingeschränkt. Die Bilder werden erst nach einer vierzehntägigen Sperrfrist zugänglich gemacht. Das Unternehmen begründet dies damit, dass die Bilder nicht in den Händen gegnerischer Kräfte landen sollen, um verbündete Streitkräfte oder Zivilisten zu bedrohen. In einer E-Mail vom Karsamstag kündigte Planet Labs an, seine Regelung noch weiter zu verschärfen und generell keine Bilder aus der Konfliktregion mehr zu veröffentlichen – einschließlich Gebiete wie Gaza, Israel und den Libanon. Die Formulierung in der Mitteilung ist bemerkenswert: Die US-Regierung habe die Anbieter von Satellitenbildern zur freiwilligen Einführung einer unbefristeten Sperrfrist aufgerufen. Planet Labs betont zwar Freiwilligkeit, doch diese Vorgehensweise wird als eine Militärzensur gewertet, wie sie in einer Demokratie nicht üblich ist. Die Verfügbarkeit von Bildern birgt Sicherheitsrisiken: So teilt die „Washington Post“ mit, dass Russland Aufklärungsdaten an den Iran weitergibt und chinesische Anbieter dem Regime in Teheran Satellitenbilder zur Verfügung stellen. Solche Informationen können zur Zielerfassung für Artillerie- und Luftangriffe genutzt werden. Bei einem solchen Angriff auf ein US-Lager in Kuwait starben sechs Soldaten zu Kriegsbeginn, obwohl das Lager seit Monaten existierte und auch auf Google Maps sichtbar war. Durch die Sperre geht Transparenz verloren: So konnten hochauflösende Satellitenbilder beweisen, dass eine Schule in Minab, Iran, nicht von einer fehlgeleiteten iranischen Rakete getroffen wurde, sondern durch systematische Einschläge. Diese Aufnahmen stammen ebenfalls von Planet Labs. Redaktionen weltweit haben es nun schwerer, Ereignisse im Golfraum aufzuklären, da Mitbewerber wie Vantor grundsätzlich keine Bilder von US-Militäranlagen freigeben. Alternativen sind beispielsweise Bilder von Airbus oder chinesische Aufnahmen, doch diese Anbieter fliegen ihre Satelliten nicht so häufig über Konfliktgebiete. Während eine gewisse Sperrfrist aus militärischer Sicht sinnvoll sein könnte, lässt sich eine unbefristete Sperre für mehrere Länder im Nahen Osten nicht mit der Kriegsführung rechtfertigen. Sie entspricht eher einer Machtdemonstration und beschneidet die demokratische Öffentlichkeit. Die Einschränkung von Informationen schafft Raum für Falschnachrichten, wie beispielsweise gefälschte Bilder von Explosionen in Tel Aviv oder Bahrain. Solche könnten schneller entlarvt werden, wenn aktuelle und präzise Satellitenbilder verfügbar wären. Die amerikanische Öffentlichkeit hat das größte Interesse an freien Bildern, da der Krieg im Namen aller geführt wird und sie ein Recht darauf haben, informiert zu bleiben. Besonders relevant ist dies vor dem Hintergrund der Äußerungen des Verteidigungsministers, der Medien kritisiert und sogar mit Lizenzentziehungen droht. Journalisten sollen nicht Kriege führen, sondern die Wahrheit schreiben. Mehr „big pictures“ aus dem Weltraum würden ihnen diese Aufgabe erleichtern.