Ein Reporter fragte Donald Trump am Dienstag nach seiner geistigen Gesundheit: «Sind Sie verrückt geworden, Herr Präsident?» Überraschend antwortete Trump mit einem Schulterzucken: «Davon habe ich noch nie was gehört. Aber wenn es so ist, braucht dieses Land mehr Leute wie mich.» Hintergrund für diese Frage war eine Äußerung Trumps über das Mullah-Regime, die er als «verrückte Bastarde» bezeichnete und deren Drohung, die «verfickte Strasse von Hormus zu öffnen», damit endete, dass «eine ganze Zivilisation sterben» würde, falls der Iran nicht nachgibt. Letztlich kam es zu keinen militärischen Auseinandersetzungen über den Iran. Stattdessen verkündete Trump einen«vollständigen Sieg für die USA». Die Frage stellt sich: Ist Trump ein Geisterfahrer oder ein Feuerteufel? Oder handelt er gezielt, um Reaktionen zu provozieren? Letzteres entspricht der Madman-Theorie, einer Verhandlungsstrategie, bei der man absichtlich den Eindruck von Unberechenbarkeit und psychischer Instabilität erweckt. Ziel ist es, das Gegenüber einzuschüchtern. Diese Taktik wurde bereits von US-Präsident Richard Nixon während des Kalten Krieges angewandt, um Nordvietnam und die Sowjetunion zu beeindrucken. Tobias Nanz sieht Trump als jemanden, der diese Strategie in das digitale Zeitalter überträgt und soziale Medien nutzt, um den Eindruck eines irrational agierenden Politikers zu erzeugen. Daneben gibt es Theorien wie die von Psychologe Dan McAdams, der Trump als «episodischen Mann» beschreibt: Er lebt im Moment und tut alles für einen Sieg – Lügen, Betrügen, Drohen. McAdams sagt in einem Deutschlandfunk-Interview: «Dann geht er wieder ins Bett, wacht am nächsten Tag auf und fängt wieder von vorne an.» Verhandlungsexperte Frédéric Mathier sieht Trumps Vorgehensweise als strategisch und nicht chaotisch: «Er setzt den Anker extrem brutal: Wer mit ‹Ich lösche eure Zivilisation aus› startet, macht jedes spätere Angebot zum Geschenk.» Impulsivität und Irrationalität werden so zu Waffen, um beim Gegenüber Angst zu erzeugen – ein starker Verhandlungstreiber. Ob Trump bewusst diese Rolle spielt oder nicht, ist für Mathier sekundär. Durch seine Drohungen konnte Trump einen vermeintlichen Sieg herbeiführen, bei dem beide Seiten ihr Gesicht wahren können, zumindest vorübergehend. Verhandlungserfolge hängen laut Mathier oft von der Erzählkunst ab: «Wer das besser beherrscht, gewinnt die Wahrnehmung – und Wahrnehmung ist alles.» Nun beginnen neue Verhandlungen unter unklaren Vorzeichen und mit hohen Forderungen. Mathier kritisiert Trumps maximale Drucktaktik: «Maximaldruck ist ein Hammer. Aber nicht jedes Problem ist ein Nagel.» Er schließt, dass Trump auch Feingefühl, Geduld und Ausdauer benötigt – Fähigkeiten, die er bisher vernachlässigte. Dies könnte ihm in der Zukunft noch teuer zu stehen kommen.