Nach einem mehr als zweistündigen Gespräch mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump am Mittwoch erklärte der Nato-Generalsekretär Mark Rutte, er verstehe die Enttäuschung des US-Präsidenten über einige Allianzpartner. Diese Partner hatten sich geweigert, den USA in militärischen Auseinandersetzungen mit dem Iran direkt zu unterstützen. Das Gespräch im Weißen Haus wurde als ‘offen und ehrlich’ beschrieben, wie Rutte gegenüber CNN erklärte.
Trump zeigte sich laut Berichten aus dem Weißen Haus wütend über das Verhalten einiger Nato-Mitglieder. Seine Sprecherin Karoline Leavitt zitierte ihn vor dem Treffen mit den Worten: ‘Sie wurden auf die Probe gestellt, und sie sind durchgefallen.’ Rutte stimmte dieser Einschätzung zu, betonte aber, dass die meisten europäischen Partner ihren Verpflichtungen nachkamen.
Rutte erwähnte Frankreich und Keir Starmer als Beispiele für Länder, die versuchten, die Schifffahrt in der Straße von Hormuz sicherzustellen. Auf eine mögliche Ankündigung Trumps bezüglich eines Nato-Austritts ging Rutte nicht ein. Ebenso vermied er eine Stellungnahme zu einem Artikel des ‘Wall Street Journal’, der über die mögliche Stationierung amerikanischer Soldaten in unterstützenden Ländern berichtete.
Die Regierungen Spaniens und Deutschlands wurden von Beratern Trumps als Ursache für Frustrationen genannt. Vorteile aus einer Truppenverschiebung könnten Polen, Rumänien, Litauen und Griechenland erhalten, was die Ostflanke der Nato stärken würde.
Trump äußerte sich nach dem Treffen mit Rutte nicht persönlich, kritisierte aber öffentlich das Verteidigungsbündnis als ‘Papiertiger’. Auf seinem Internetdienst Truth Social wiederholte er diese Kritik und fügte hinzu: Die Nato sei in der Vergangenheit nicht zur Unterstützung der USA da gewesen und werde es auch in Zukunft nicht sein.
Ein weiterer Streitpunkt für Trump scheint die Ablehnung eines europäischen Angebots zur Grönland-Verwaltung zu Jahresbeginn zu sein. ‘Denkt an Grönland’, schrieb er auf Truth Social, und bezieht sich damit auf seine Frustration über die Insel, die politisch autonom ist. In einer Pressekonferenz am Dienstag verknüpfte Trump den Iran-Konflikt mit dem Thema Grönland, was seine Absichten weiter unklar lässt.