Ein Vergleich zwischen Trumps Kriegszielen und den Bedingungen der Gespräche in Islamabad offenbart eine strategische Niederlage für die USA im Nahen Osten, die auch Europa beeinträchtigt. In einem beispiellosen Schritt erklärte Donald Trump via Truth Social: «Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben und nie mehr zurückkehren. Ich will nicht, dass das passiert, aber wahrscheinlich wird es.» Stunden vor dem Ultimatum an den Iran um 20 Uhr Ortszeit schockierte dieser Post die Welt. Doch bereits um 18:30 Uhr verkündete Trump auf demselben Kanal unter der Bedingung einer freien Passage durch die Strasse von Hormuz einen Waffenstillstand: «Stimme ich der Sistierung der Bombardierungen und Attacken gegen den Iran für zwei Wochen zu, vorausgesetzt, dass der Iran die Strasse von Hormuz vollständig öffnet. Dies wird ein beidseitiger Waffenstillstand!» Seither bemühen sich sowohl Washington als auch Teheran um Darstellung dieses Abkommens als Sieg. Die Kontrolle über die Strasse von Hormuz liegt nun bei der Islamischen Republik, wobei Reedereien hohe Gebühren in Kryptowährungen oder chinesischen Yuan entrichten müssen. Trump spricht von einem gemeinsamen Fonds zur Verwaltung dieser Gebühren. Nach mehr als einem Monat Konflikt haben sich die Bedingungen am Persischen Golf drastisch verändert: Die freie Schifffahrt ist blockiert, und Trump behauptet, ein «regime change» sei in Iran eingetreten, wodurch man angeblich eng mit Teheran zusammenarbeitet. Pakistan hat den Waffenstillstand vermittelt; die Verhandlungen sollen nun in Islamabad beginnen. Ein brüchiger Waffenstillstand besteht vorläufig. Sollte er Bestand haben, müsste ein Friedensvertrag ausgehandelt werden. Dieser könnte Sicherheits- und wirtschaftliche Perspektiven der Region maßgeblich verändern. Eine Chronologie gegenseitiger Forderungen gibt Aufschluss über die Chancen einer dauerhaften Lösung und deren geopolitische Auswirkungen. Am 26. Februar 2026 begann Trumps zweite Präsidentschaft. Damals forderte er in Genf ein neues Atomabkommen unter Androhung militärischer Maßnahmen, was zwei Tage später zur Entsendung amerikanischer Bomber führte. Was waren die zentralen Forderungen der Amerikaner? Die von Pakistan vermittelte Einigung auf eine Angriffspause wurde von Iran unter Abbas Araghchi verkündet, der bereits in Genf für Teheran sprach. Nach vierzig Kriegstagen haben die USA erhebliche militärische Mittel eingesetzt, ohne jedoch eine definitive Wirkung zu erzielen. Die Zerstörungen und deren Auswirkungen auf den Bau einer Atombombe sind unklar. Iran bleibt trotz Isolation in der Region durch seine Handlungen einflussreich, auch wenn die oberste Führung geschwächt wurde. Das Regime demonstrierte erneut, dass es durch eine Blockade der Strasse von Hormuz den Weltmarkt destabilisieren kann. Trump behauptet, seine militärischen Ziele erreicht zu haben und spricht einen zehn Punkte umfassenden iranischen Plan als Verhandlungsgrundlage an. Doch die neuen Bedingungen entsprechen nicht einem klaren Sieg der USA. Ob Iran als atomare Gefahr eliminiert werden kann, bleibt in den bevorstehenden Gesprächen zu klären. Eine schrittweise Aufhebung von Sanktionen könnte westliche Einflüsse stärken, doch China und iranische Vermittler scheinen derzeit erfolgreicher. In einem Artikel des «Foreign Affairs» vom 3. April skizziert Javad Zarif seine Sicht der Ereignisse: «Wir haben diesen Krieg nicht begonnen», schreibt er, «aber die Islamische Republik gewinnt ihn.» Die Resilienz des iranischen Volkes wird als Hauptgrund genannt. Trotz Misstrauen gegenüber den USA besteht die Chance auf ein Friedensabkommen. Der amerikanische Präsident sieht Geschäftsmöglichkeiten, hat aber die Widerstandsfähigkeit des iranischen Regimes unterschätzt. Trump will seinen Anhängern den Waffenstillstand als Ergebnis seiner Verhandlungskunst präsentieren. Doch der Iran-Krieg stellt die Zuverlässigkeit der USA als Sicherheitspartner in Frage und schwächt deren Abschreckungspotenzial. Eine mögliche Folge: geschwächte USA in einer Übergangsphase, während autoritäre Regime wie Russland oder China davon profitieren könnten. Europa muss seine Vorstellungen von Freiheit und Demokratie eigenständig sichern.