Der Schweizer Autor Charles Lewinsky blickt auf seine Kindheit in einer jüdisch-orthodoxen Familie zurück und betont, dass Disziplin und Zuverlässigkeit Schlüssel zu seinen Erfolgen als TV-Autor («Fascht e Familie») und Schriftsteller waren. In dieser Woche feiert er seinen 80. Geburtstag und hat zudem einen neuen Roman herausgebracht, was seine Prominenz erhöht.
In einem Gespräch mit Diogenes-Verlag in der Nähe des Zürcher Schauspielhauses äußert Lewinsky den Wunsch, nicht erneut über sein Judentum interviewt zu werden. Über seine Biografie gefragt, scherzt er: «Ein langweiliges Leben». Er beschreibt sich selbst als jemanden, der ein unaufgeregtes Dasein führt, um Abenteuer in seinen Geschichten verarbeiten zu können.
Geboren 1946 in Zürich, erlebte Lewinsky eine Kindheit in einer Zeit des Optimismus und Wohlstands. Trotz seiner Religion lebten er und seine Familie nicht isoliert. Eine Auswirkung der Religionsausübung war die Ablehnung durch das Gymnasium in Zürich wegen Schreibverbots am Sabbat, was eine Schulpendelei nach Luzern nach sich zog.
In der Primarschule fühlte er sich nicht als Außenseiter. Auch seine frühe Scheidung der Eltern beeinflusste ihn stark: Nach dem Verlassen des Vaters wurde er zu einem «Trostfresser». Über den Holocaust sprach man in seinem Umfeld kaum.
Lewinsky distanzierte sich im Teenageralter vom orthodoxen Judentum. Diese innere Abkehr bemerkte die Familie nicht, da er viel unterwegs war. Seine Leidenschaft für das Theater führte ihn schließlich zum Zürcher Schauspielhaus und später zur Arbeit beim Schweizer Fernsehen.
Sein Sohn sprach plötzlich Hochdeutsch, was Lewinsky als unerträglich empfand, woraufhin er nach der Schweiz zurückkehrte. Dort begann seine Karriere im Fernsehgeschäft mit einer unfreiwilligen Zuordnung zur Unterhaltung.
Als freier Autor schrieb Lewinsky unter anderem Volksmusiktexte und wurde durch «Fascht e Familie» zu einer nationalen Figur. Trotz des Erfolgs entschied er sich nach drei Jahren, die Serie fortsetzen zu lassen.
Über sein langes Eheleben mit Ruth sagt er: Er habe ein kleinbürgerliches Herz, trotz der modernen Ansichten über Beziehungen und Ehen.