In der Aula des Schulhauses Herrliberg am Zürichsee laufen 23 Schüler im Kreis – bis plötzlich ein Kind ruft: «Achtung, ein Hund kommt!» Sofort herrscht Stille. Die Kinder wissen bereits, dass sie stillstehen und die Hände an den Seiten lassen müssen. Essen oder Spielzeuge sollen fallen gelassen werden, egal wie sehr man daran hängt, sagt der Erstklässler Gabriel: «Sonst beisst uns der Hund in die Hand.» Der Umgang mit stillstehenden Kindern als uninteressant für Hunde wird von den Instruktorinnen demonstriert, indem sie ihre Tiere an der Leine durch die Gruppe führen und diese kaum beachtet werden.
Jutta Lang vom Zürcher Veterinäramt betont: «Es ist wichtig, Kindern das richtige Verhalten mit Hunden beizubringen, da sie häufiger von Bissen betroffen sind.» Sie erklärt, dass viele kindliche Intuitionen Hunde reizen und zu Vorfällen führen. In den letzten Jahren gab es im Kanton Zürich jedes Jahr über 800 Hundebisse, oft mit kleinen Kindern als Opfern. Laut Lang ist die Verantwortung primär bei den Hundehalterinnen und -haltern, doch Schulungen können helfen, Vorfälle zu reduzieren.
Jährlich finden im Kanton Zürich rund 300 «Codex Kind und Hund»-Kurse statt. Lehrerinnen und Lehrer können diese für ihre Klassen buchen; finanziert werden sie durch die Hundesteuer. Lang äußerte den Wunsch, dass jedes Kind im Kanton diesen Kurs besucht.
In der Aula von Herrliberg demonstrieren die Instruktorinnen falsches Verhalten mit Handpuppen: etwa das Stören beim Fressen oder Streicheln angebundener Hunde. Am Ende dürfen alle Kinder einen Hund streicheln, nachdem sie gefragt und auf den Hund gewartet haben. Während Alma, 7 Jahre alt, sich an Balu, einem Labradoodle, erfreut, hat ihre Freundin Alice Hemmungen, da sie Hunde fürchtet. Ihr Vater war zum Kurs gekommen und hält ihr nun die Hand.
Rita Eppler, Leiterin der Instruktorinnengruppe, erläutert: «Verängstigte Kinder profitieren von Eltern, die ebenfalls teilnehmen können. Es ist schön zu sehen, wenn ein Kind am Ende dennoch einen Hund streichelt.» Unter den sieben Hunden in der Gruppe sind unterschiedliche Rassen und Altersgruppen vertreten. Der weisse Havaneser Milo bellt einmal laut auf, was Rita Eppler meint: «Es ist gut, dass wir viele Hunde dabeihaben und bei Bedarf austauschen können.»
Nach den Kursen gehen die Instruktorinnen mit ihren Tieren spazieren, was sie genießen, da sie sonst einmal pro Woche in einem Klassenzimmer sind. Diese Vormittage sind für die Hunde anstrengend.
Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 7.4.2026, 17:30 Uhr