Im Rahmen einer Live-Q&A-Sitzung beantworteten SRF-Experten wie Viviane Manz, Jonas Bischoff und Sebastian Ramspeck Fragen zur aktuellen Waffenruhe im Iran. Fünf wesentliche Erkenntnisse wurden dabei hervorgehoben.
Jonas Bischoff, Nahost-Korrespondent, berichtet von Verstößen gegen die Waffenruhe noch Stunden nach ihrer Ausrufung. Israel habe einen umfangreichen Angriff auf den Libanon gestartet, obwohl dieser laut dem Vermittlerstaat Pakistan in der Vereinbarung eingeschlossen sei. Sowohl Israel als auch die USA widersprechen jedoch und behaupten, dass der Libanon nicht Teil der Waffenruhe sei.
Bischoff betont: «Die Zukunft der Waffenruhe ist ungewiss.» Der Angriff auf den Libanon wird von vielen Beobachtern als gezielte Provokation Israels gewertet, um Iran herauszufordern und die Ruhe zu stören.
Viviane Manz hebt hervor, dass die Waffenruhe bisher unvollständig umgesetzt wurde. Es bestehe Uneinigkeit darüber, da Israel weiterhin Angriffe im Libanon führt und die Strasse von Hormus blockiert bleibt. «Die Lage ist sehr anfällig für erneute Eskalationen», sagt Manz.
Manz merkt an, dass Präsident Trump bereits mehrere Ultimaten ausgesprochen oder Drohungen ausgestoßen habe, wobei seine Reaktionen sehr unterschiedlich waren. Ein ernstes Durchsetzen der Androhung verstärkter Angriffe auf den Iran würde hohe Risiken bergen, darunter erhöhte Verluste unter US-Soldaten, steigende Ölpreise und negative Auswirkungen auf die Börse sowie eine mögliche Verschlechterung seiner öffentlichen Unterstützung.
Sebastian Ramspeck weist darauf hin, dass theoretisch der Internationale Gerichtshof oder der Internationale Strafgerichtshof sich mit dem Krieg befassen könnten. Allerdings erkennen die USA, Israel und Iran deren Zuständigkeit nicht an, was den rechtlichen Weg erschwert. Ein Verfahren setze zunächst eine Klage oder Anklage voraus. Ramspeck erklärt: «Da der Konflikt erst sechs Wochen andauert, ist es normal, dass noch kein Prozess eingeleitet wurde, ähnlich wie beim Haftbefehl gegen Netanjahu nach dem Gaza-Krieg.»
Ramspeck sieht auch die Möglichkeit, dass sich Iran seiner Kontrolle über die Strasse von Hormus als Druckmittel bewusst wird und dies in Verhandlungen für eine Durchfahrtsgebühr nutzt, wobei Gerüchte von zwei Millionen US-Dollar pro Schiff die Runde machen. Dies könnte dem Iran Einnahmen von etwa 90 Milliarden US-Dollar jährlich einbringen. Eine mehrmonatige Blockade würde wahrscheinlich zu steigender Inflation in der Schweiz führen, insbesondere durch teureres Öl und importierte Güter.
Quelle: Tagesschau, 9.4.2026, 19:30 Uhr