Die Entscheidung über die Wiederwahl von Ständerat Daniel Jositsch steht im Mai an. Die SP in Zürich muss festlegen, ob sie ihn erneut nominieren wird – und das trotz der langjährigen Spannungen mit ihm. Jositschs Position innerhalb der Partei ist komplex; viele Delegierte zeigen sich unsicher. Einige, wie Winterthurer Stadtrat Nicolas Galladé, unterstützen ihn aus pragmatischen Gründen. Andere äußern versteckte Enttäuschung und warten ab, bevor sie eine endgültige Entscheidung treffen. Die Delegiertenversammlung im Mai wird ein entscheidender Moment für die SP sein, um über Jositsch’ Zukunft zu beraten. Die Parteiführung hält es für wichtig, dass er sich bei internen Veranstaltungen seinen Kritikern stellt. Co-Präsidentin Michèle Dünki-Bättig möchte keine Empfehlung abgeben und verweist auf die Entscheidung der Basis. Kritische Stimmen gegen Jositsch kommen vor allem von jüngeren Parteimitgliedern, besonders den Jungsozialisten. Seine Abweichungen von der Parteilinie, wie seine Law-and-Order-Haltung oder sein Widerstand gegen das UNRWA-Urteil, werden ihm angelastet. Trotz gemischter Gefühle innerhalb der SP gilt Jositsch als bei der breiten Basis beliebt und könnte wohl gewählt werden. Doch die Delegierten tendieren dazu, politisch weiter links zu stehen, was seine Lage unsicher macht. Eine Nicht-Nominierung wäre ein Affront für ihn. Die Co-Präsidentin sieht im frühen Entscheid keinen Nachteil, sondern eine Chance zur Klarheit und Unterstützung für die kommenden Wahlen. Sollte Jositsch nominiert werden, könnte er seine Position mit Erfahrung stärken. Eine Absage würde ihm jedoch ermöglichen, sich wie Regierungsrat Mario Fehr ohne Parteisegel umzuorientieren. Jositschs eigene Äußerungen bleiben vorsichtig; er betont lediglich seine politischen Unterschiede zu anderen. Seine Fähigkeit, auch Bürgerliche zu überzeugen, wird von seinen Kritikern als Prinzipienlosigkeit gesehen, während seine Unterstützer darin seine Unabhängigkeit erkennen. Die Frage bleibt, ob Jositsch bei seiner Rolle bleiben kann oder sich den Erwartungen der SP anpassen muss. Die Delegierten treffen am 28. Mai ihre Entscheidung.