Aktuelle und frühere Angestellte der psychiatrischen Klinik Zugersee werfen schwerwiegende Verstössen vor, darunter Zwangsduschen, Mobbing sowie Drogenkonsum unter den Mitarbeitern. Die Klinik hat daraufhin eine Untersuchung eingeleitet.
Anonym bleibend, berichten Mitarbeiterinnen von gravierenden Missständen in den drei Akutstationen der Klinik Zugersee. Laut Berichten an die “Zuger Zeitung” würden Pflegerinnen Patienten heimlich Medikamente geben, um Ruhe zu haben. In der Vergangenheit stand das Institut bereits unter Druck wegen Zwangsmedikation (zentralplus berichtete).
Patientinnen werden intime Untersuchungen ohne die nötigen Kompetenzen unterzogen und unter Zwang geduscht, ohne ärztliche Bewilligung. Drogenkonsum von Pflegekräften sei ebenfalls ein Thema. In Gruppenchats würden Patienten mit Bildern, Videos und Kommentaren erniedrigt. Beschwerde führt zur systematischen Ausgrenzung; Lehrlinge sind unzureichend betreut, und es gibt häufige Einsatz von schlecht ausgebildeten Aushilfskräften.
Die CEO der Triaplus AG, Patricia Kellerhals, kann aufgrund des Persönlichkeitsschutzes keine Details zu einzelnen Fällen nennen. Nachdem sie im November 2024 über schweres Fehlverhalten informiert wurde, reagierte sie umgehend und entließ die verantwortliche Person fristlos.
Im Mai 2025 beauftragte Kellerhals ein Zürcher Anwaltsbüro mit einer externen Untersuchung, an der auch ein ehemaliger Pflegedienstdirektor aus einem anderen Kanton beteiligt war. Der Bericht ergab kein systematisches Problem; die Missstände seien auf Führungsmängel und unzureichende Kontrollmechanismen zurückzuführen, wobei ein Mitarbeiter gegen Richtlinien verstieß.
Die Triaplus AG reagiert mit mehreren Maßnahmen: Ein interner Pflegepool und ein Pikettdienst werden eingerichtet; auf dem Gelände gilt nun Alkoholverbot. Ein internes Portal ermöglicht anonyme Meldungen von Führungsproblemen. Langfristig sind mehr Personal, Doppelnachtwachen sowie Schulungen mit Aggressionsmanagement-Trainer geplant. Eine neue Beurteilung der Führungskräfte und eine externe Meldestelle sollen die Unterstützung in schwierigen Situationen verbessern.