Gordie Howe, eine Legende des Eishockeys sowohl in den USA als auch in Kanada, wird von einem Fan vor dem Stadion der Detroit Red Wings gelobt. “Mr. Hockey”, wie er genannt wurde, sei auf dem Eis gnadenlos gewesen, aber privat ein höflicher Mann. Howe errang in den 1950er-Jahren vier Meisterschaftstitel mit Detroit und trug später das kanadische Ahornblatt im Pass. Nach seinem Tod 2016 begann der Bau einer ihm zu Ehren benannten Brücke. Diese soll diesen Frühling eröffnet werden, obwohl sie rund 3,8 Milliarden Franken kostet und ohne US-Stahl gebaut wurde – ein Umstand, den Präsident Trump kritisierte und die Eröffnung blockieren drohte.
Verantwortliche weisen diese Kritik als unberechtigt zurück. Spannend ist, dass der Eigentümer der benachbarten Ambassador-Brücke kurz vor Trumps Äußerungen ein Treffen mit dem US-Handelsminister hatte. Glenn Stevens, Direktor des Branchenverbands MichAuto, hebt die Bedeutung der neuen Brücke hervor: “Sie ist entscheidend für den Handel in unserer Region; 25 Prozent der bilateralen Geschäfte werden hier abgewickelt.” Die über ein Jahrhundert alte Ambassador-Brücke reiche dem Verkehrsaufkommen nicht mehr aus. Im Stadtteil Sandwich Town, wo viele auf die Ankunft von Touristen hoffen, wird das Interesse an der neuen, auch für Fahrräder und Fußgänger geeigneten Brücke groß geschätzt.
Stephen Hargreaves, Direktor des Gewerbeverbands, beschreibt das Verhältnis zu den USA als zwiespältig: “Wir sind nah beieinander gelegen, aber erst durch die Brücken und einen Tunnel wirklich verbunden. Unsere Identität ist nicht amerikanisch, was jedoch nicht bedeutet, dass wir uns nicht verstehen könnten.” Drew Dilkens, Bürgermeister von Windsor mit 250’000 Einwohnern, verurteilt Trumps Vorwurf, Kanada habe die USA übervorteilt. Laut ihm wollte die US-Seite die Finanzierung übernehmen, erlaubte den Bau nur unter der Bedingung kanadischer Kostenübernahme.
Normalerweise würden bei einer Eröffnung sowohl der kanadische Premierminister als auch der US-Präsident zugegen sein. Ob dies jedoch mit Trump geschehen wird, ist fraglich. Die Einweihungsfeier steht in wenigen Wochen bevor – mit oder ohne Donald Trump.